21 February 2026, 06:17

AfD gewinnt in Baden-Württemberg an Einfluss – wie Rechtsextreme Arbeiter für sich mobilisieren

Ein Plakat mit schwarzer Schrift auf weißem Hintergrund zeigt "Kinderaert ist eine nationale Geißel - Sollen wir die Industrie das Land fesseln lassen", mit einer Gruppe verschiedener Menschen, die gemeinsam stehen.

AfD gewinnt in Baden-Württemberg an Einfluss – wie Rechtsextreme Arbeiter für sich mobilisieren

Rechtsextremer Einfluss wächst in Baden-Württemberg – ein wohlhabendes Südland, das lange als resistent gegen extremistische Politik galt

Die Alternative für Deutschland (AfD) liegt in Umfragen mittlerweile bei 20 Prozent – doppelt so viel wie in den Vorjahren. Gleichzeitig verändern wirtschaftliche Sorgen und Arbeitsplatzunsicherheit die politischen Loyalitäten unter Industriearbeitern.

Der Aufstieg der AfD in Baden-Württemberg markiert eine Verschiebung weg von ihrer traditionellen Hochburg in Ostdeutschland. Die Co-Vorsitzende Alice Weidel hat sich mit Oliver Hilburger, dem Vorsitzenden der rechtsextremen Zentrum-Gruppe, verbündet, um ihre Reichweite auszubauen. Ihre Zusammenarbeit deutet auf eine umfassendere Strategie hin, rechtsextreme Ideen in der politischen Mitte zu verankern.

Gleichzeitig treiben wirtschaftliche Belastungen Arbeiter in die Arme des Protestwählens. Unternehmen wie Daimler und Bosch haben Stellenstreichungen angekündigt – und untergraben damit die Jobgarantien, trotz der hohen Löhne in der Region. Der Industriesoziologe Klaus Dörre argumentiert, dass sich Fabrikarbeiter, die sich abgewertet fühlen, oft an Migranten und Sozialhilfeempfängern für ihre Probleme abarbeiten. Diese Frustration macht manche empfänglich für die Botschaften der AfD.

Der Spitzenkandidat der Partei, Markus Frohnmaier, warnt vor einem "Detroit 2.0"-Szenario und zeichnet so ein Schreckensbild industriellen Niedergangs, um Ängste zu schüren. Seine Rhetorik zielt auf Arbeiter in der Metallbranche ab, wo AfD-Anhänger oft "Protestwähler" sind, statt überzeugte Ideologen. Die Partei setzt zudem auf Wirtschaftsnationalismus und lehnt grüne Energiepolitiken ab, die Arbeitsplätze in der Industrie gefährden. Während sie parallele Strukturen zu den traditionellen Gewerkschaften aufbaut, gibt es kaum belastbare Daten über ihren Erfolg.

Der rechtsextreme Stratege Benedikt Kaiser propagiert einen zweigliedrigen Ansatz: Gewerkschaften sollen von außen angegriffen und von innen unterwandert werden. Damit will man die Arbeitnehmerorganisationen schwächen, die historisch Extremismus widerstanden haben. Ein Beispiel für die wachsenden Spannungen ist Danial Bamdadi, ein 30-jähriger Anti-Extremismus-Pädagoge der von der IG Metall unterstützten Vereinigung zur Bewahrung der Demokratie. Seine Einbürgerung wurde von den Behörden blockiert – mit der Begründung, sein antifaschistisches Engagement sei ein "Risikofaktor". Diese Entscheidung stützte sich auf Berichte des Verfassungsschutzes.

Die Gewerkschaften stehen nun unter Druck, der Anziehungskraft der AfD etwas entgegenzusetzen. Experten raten, sich stärker für Lohnschutz einzusetzen und klare Alternativen zu den wirtschaftlichen Sündenböcken der Partei zu bieten.

Die Zugewinne der AfD in Baden-Württemberg spiegeln sowohl wirtschaftliche Verunsicherung als auch eine gezielte Strategie wider, Industriearbeiter zu umwerben. Während die Partei ihre Verbindungen zu rechtsextremen Gruppen festigt und Arbeitsplatzfrustrationen ausnutzt, müssen Gewerkschaften und Politiker die Ursachen der Unzufriedenheit angehen. Das Ergebnis wird nicht nur die Landespolitik prägen, sondern auch den größeren Kampf gegen Extremismus in Deutschland.