ARD testet 30-minütige Tagesschau – bringt mehr Länge auch mehr Qualität?
Angelo BriemerARD testet 30-minütige Tagesschau – bringt mehr Länge auch mehr Qualität?
Die ARD testet eine längere Version ihres Flaggschiff-Nachrichtenformats Tagesschau. Der Probebetrieb startet am Montagabend um 20:15 Uhr mit einer 30-minütigen Ausgabe. Der Sender erhofft sich durch das erweiterte Format mehr Vertrauen in die Medien zu stärken und zusätzliche Zuschauer zu gewinnen.
Die Idee für eine längere Tagesschau stammt von WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn. Er schlug vor, harte Nachrichten mit alltagsnahen Perspektiven zu verbinden, um das Programm zugänglicher zu gestalten. Schönenborn zufolge würde dieser Ansatz den Zuschauern mehr Informationen bieten und ihnen das Gefühl geben, besser repräsentiert zu werden.
Kritiker stehen dem Vorhaben jedoch skeptisch gegenüber. Die Journalistin Anna Mayr von der Zeit argumentiert, dass nicht die Länge, sondern die Qualität des Programms entscheidend sei. Aurelie von Blazekovic von der Süddeutschen Zeitung zweifelt daran, ob eine stärkere Alltagsorientierung tatsächlich neue Zuschauer gewinnen werde. Michael Hanfeld, Medienredakteur der FAZ, hält 15 Minuten für ausreichend und warnt, dass eine 30-minütige Sendung das ARD-Abendprogramm durcheinanderbringen könnte.
Der Testlauf ist vorerst befristet, und die ARD hat noch nicht entschieden, ob die Änderung dauerhaft umgesetzt wird. Bisher liegen keine Einschaltquoten vor, die die 30-minütigen Testausgaben mit der ursprünglichen 15-minütigen Version vergleichen.
Die verlängerte Tagesschau bietet den Zuschauern zwar mehr Tiefe, verlangt ihnen aber auch mehr Zeit ab. Die ARD wird den Erfolg des Probebetriebs evaluieren, bevor sie eine endgültige Entscheidung über das künftige Format trifft. Das Ergebnis könnte beeinflussen, wie öffentlich-rechtliche Sender künftig Nachrichtenvermittlung und Zuschauerbindung in Einklang bringen.






