Baden-Württemberg sucht nach iCloud-Alternativen für mehr digitale Souveränität
Angelo BriemerBaden-Württemberg sucht nach iCloud-Alternativen für mehr digitale Souveränität
Baden-Württemberg prüft Alternativen zur iCloud aus Sorge um digitale Souveränität
Das Bundesland setzt derzeit auf Microsoft-abhängige Systeme, doch aktuelle Warnungen und rechtliche Risiken haben einen Kurswechsel eingeleitet. Behörden testen nun Open-Source-Lösungen, um die Abhängigkeit von US-Softwareanbietern zu verringern.
Die iCloud sollte eigentlich die digitale Transformation von Bund und Ländern beschleunigen. Ihre Infrastruktur steht zwar in Deutschland und ist vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifiziert – doch die Anwendungsebene basiert weiterhin auf proprietärer Microsoft-Software. Dadurch bleibt sie anfällig für ausländischen Datenzugriff.
Nach dem US-CLOUD-Act müssen amerikanische Unternehmen Daten auf Anfrage an US-Behörden herausgeben – selbst wenn diese im Ausland gespeichert sind. Microsoft bestätigte im Juni 2024, dass selbst in Europa gehostete Clouds keinen vollständigen Schutz vor solchen Zugriffen bieten. Die Open Source Business Alliance (OSB Alliance) warnte im selben Jahr, dass die Abhängigkeit von Microsoft die digitale Souveränität Deutschlands untergraben könnte.
Das Innenministerium Baden-Württembergs räumte ein, dass Drittstaaten theoretisch auf iCloud-Anwendungsdaten zugreifen könnten. Derzeit laufen rund 51.500 Arbeitsplätze mit einer lokal installierten Version von Microsoft Office (2024 LTSC), die bis 2029 unterstützt wird. Um die Risiken zu minimieren, setzt die Landesregierung nun auf Multi-Cloud-Strategien und offene Standards in ihrer Cloud-Politik.
Eine der getesteten Alternativen ist openDesk, eine Plattform des Zentrums für digitale Souveränität (ZenDiS). Ziel ist es, die Abhängigkeit von Einzelanbietern zu reduzieren und gleichzeitig sichere, souveräne digitale Abläufe zu gewährleisten.
Der Schritt spiegelt die wachsenden Bedenken hinsichtlich Datensicherheit und ausländischer rechtlicher Einflussnahme auf deutsche IT-Systeme wider. Die Erprobung von Open-Source-Plattformen wie openDesk in Baden-Württemberg könnte ein Zeichen für einen größeren Trend sein – weg von proprietären Lösungen. Das Ergebnis könnte zeigen, wie andere Regionen künftig digitale Souveränität mit praktischen Cloud-Infrastrukturanforderungen in Einklang bringen.