Baden-Württembergs Energiewende scheitert an leeren Versprechen und fossilen Rückfällen
Hiltraud HamannBaden-Württembergs Energiewende scheitert an leeren Versprechen und fossilen Rückfällen
Baden-Württembergs Energielandschaft hat sich seit 2011 unter grüner Führung radikal gewandelt. Die Stromerzeugung im Land ist nahezu halbiert worden – von 66 Terrawattstunden (TWh) auf nur noch 34 TWh im Jahr 2025. Der Rückgang folgte auf die Abschaltung aller Atomkraftwerke, während erneuerbare Energien die Lücke trotz ehrgeiziger Ziele nicht schließen konnten.
Bei der jüngsten Landtagswahl behielten die Grünen zwar die Macht, doch ihre Bundespolitik setzt nun auf Gas- und Ölheizungen und treibt gleichzeitig den Bau neuer Gaskraftwerke voran. Gleichzeitig wächst die Unzufriedenheit in der Bevölkerung angesichts gebrochener Versprechen und steigender Stromimporte.
Die Grünen übernahmen 2011 erstmals die Regierung in Baden-Württemberg – kurz nach der Entscheidung, die Laufzeiten von Atomkraftwerken zu verlängern. Diese Maßnahme stützte sich auf eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft für Energie (EWI) aus dem Jahr 2008, die im Auftrag des Bundesumweltministeriums erstellt worden war. Die Untersuchung, größtenteils finanziert von den Atomkonzernen E.ON und RWE, prägte die frühen Energiepläne der Partei.
Bis 2025 war die Stromproduktion des Landes jedoch eingebrochen. Die Abschaltungen der Atomkraftwerke zwischen 2011 und 2023 wurden nicht durch erneuerbare Energien ausgeglichen, und die fossile Stromerzeugung ging schneller zurück, als die grüne Energie expandieren konnte. Die Netto-Stromimporte stiegen um 80 Prozent auf 29,5 TWh an. Ein Lichtblick bleibt die Solarenergie: Allein 2025 kamen 130.000 neue Anlagen hinzu – damit verfügt das Land nun über fast eine Million Photovoltaiksysteme. Doch der Ausbau der Windkraft hinkt den Zielen weit hinterher: Statt der versprochenen 1.000 Anlagen wurden nur 62 Windräder gebaut.
Wirtschaftsministerin Katharina Reiche steht nun unter massivem Druck. Ihr Zehn-Punkte-Energieplan, der auf der EWI-Studie basiert, setzt auf eine "nachfragegetriebene" Ausweitung von Wind- und Solarenergie. Doch über 2.000 Unternehmen kritisieren ihre Pläne scharf, und selbst der ehemalige Verbündete RWE hält sich mit Unterstützung zurück. Reiche, die einst eine Gasnetz-Tochter von E.ON leitete, weigert sich, Netzanschlüsse für neue Solaranlagen zu garantieren. Umfragen zeigen, dass nur 13 Prozent der Wähler mit ihrer Arbeit zufrieden sind.
Der CDU-Politiker Manuel Hagel lag zunächst in den Umfragen vorn, bis Reiches unpopuläre Energiepläne die Stimmung kippen ließen. Parteichef Friedrich Merz könnte ein Vorgehen gegen sie jedoch bis nach der Wahl in Rheinland-Pfalz verschieben, wo 311.000 Solaranlagen über drei Millionen Wähler versorgen. Der jüngste Wahlsieg der Grünen in Baden-Württemberg geht mit einem Kurswechsel einher: Die Rückkehr zu Gas- und Ölheizungen sowie der Bau neuer Gaskraftwerke sollen die Energielücke schließen.
Baden-Württemberg ist damit gezwungen, Engpässe mit Gas und Öl zu überbrücken – trotz des starken Solarausbaus. Die Stromimporte sind dramatisch gestiegen, und die Unzufriedenheit mit Reiches Politik bleibt hoch. Während die Grünen zwar an der Macht bleiben, ihre Prioritäten aber verschieben, wird der weitere Verlauf der Energiewende davon abhängen, wie es gelingt, erneuerbare Energien und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen in Einklang zu bringen.