11 January 2026, 04:30

Bahnstrecke Tübingen–Stuttgart: Hermanns Masterplan gegen das Chaos der Deutschen Bahn

Ein Zug fährt auf den Schienen neben einem Bahnsteig mit einem Mast auf dem Dach, der Metallstangen mit Lampen trägt.

Bahnstrecke Tübingen–Stuttgart: Hermanns Masterplan gegen das Chaos der Deutschen Bahn

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hat Pläne zur Verbesserung der problembehafteten Bahnstrecke Tübingen–Stuttgart vorgestellt. Die Ankündigung erfolgte als Reaktion auf scharfe Kritik von Tübings Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne), der die anhaltende Unzuverlässigkeit des Zugbetriebs der deutschen bahn moniert hatte. Hermann räumte ein, dass kurzfristige Lösungen unwahrscheinlich seien – unter anderem wegen laufender Infrastrukturprojekte und der aktuellen Kapazitätsgrenzen der deutschen bahn.

Palmer hatte zuvor dringenden Handlungsbedarf angemahnt und sogar vorgeschlagen, den im Stundentakt verkehrenden Regional-Express RE 6 vorübergehend auszusetzen. Sein Ziel: Personal und Züge für zuverlässigere Umsetzfahrten in Tübingen freizumachen. Hermann erkannte den Ansatz an, verwies jedoch darauf, dass seit Dezember bereits Verhandlungen über eine Reduzierung des Angebots um ein Sechstel der deutschen bahn liefen.

Hermanns umfassende Strategie umfasst mehrere Punkte: Er fordert von der deutschen bahn mehr Zuverlässigkeit und Reservefahrzeuge, treibt Infrastrukturausbau – insbesondere auf der Neckar-Alb-Strecke – voran und pocht auf ein besseres Baustellenmanagement. Die Elektrifizierung und der Ausbau der Verbindung Tübingen–Stuttgart bleiben Prioritäten, ebenso die Einbindung in das Metropol-Express-Netz sowie künftige Anbindungen nach Stuttgart–Ulm und in die Neckar-Alb-Region. Als Sofortmaßnahme garantierte der Minister, dass ab Ostern 2026 in Tübingen stets ein Zug pünktlich abfahrbereit steht – selbst wenn die ankommende Verbindung aus Stuttgart Verspätung hat. Das Verkehrsministerium bestätigte zudem, dass die geplanten Umsetzfahrten in Tübingen mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2026 der deutschen bahn eingeführt werden sollen. Vorbehaltlich der Lieferzusagen rechnet Hermann bis dahin mit ausreichend verfügbarem Rollmaterial.

Langfristig setzt Hermann auf eine bessere Taktung der Fahrpläne, vor allem im Raum Stuttgart. Hierzu hat er Gespräche mit der deutschen bahn und dem Bund initiiert, um die Modernisierung der Strecke und betriebliche Verbesserungen entlang des Korridors zu beschleunigen.

Die Maßnahmen zielen darauf ab, die seit Jahren währende Frustration über Verspätungen und Zugausfälle auf der Strecke Tübingen–Stuttgart zu lindern. Doch während Hermanns Zeitplan bis 2026 reicht, hängt der Erfolg maßgeblich von der Zusammenarbeit mit der deutschen bahn und den Fortschritten bei der Infrastruktur ab. Ob sich die Situation für Pendler und Reisende in der Region spürbar verbessert, wird sich erst noch zeigen müssen.