"Bild-Dichter" Franz Josef Wagner stirbt mit 82 – Ende einer medialen Ära
Hiltraud Hamann"Bild-Dichter" Franz Josef Wagner stirbt mit 82 – Ende einer medialen Ära
Franz Josef Wagner, der langjährige Bild-Kolumnist, der als "Bild-Dichter" bekannt war, ist im Alter von 82 Jahren verstorben. Sein letzter Beitrag erschien am 7. September – nur einen Monat vor seinem Tod am 7. Oktober. Jahrzehntelang prägte sein scharfer, oft provokanter Schreibstil die deutsche Medienlandschaft.
Auch Alfred Hilsberg, Hamburger Underground-Impresario und Kultfigur, starb kürzlich mit 77 Jahren. Beide Männer hinterließen Spuren in der Kultur – wenn auch auf völlig unterschiedliche Weise.
Wagner begann seine Karriere 1966 beim Axel-Springer-Verlag, stieg intern auf und wurde 2001 Chefkolumnist der Bild. Seine Kolumne Post von Wagner lief bis zu seinem Tod und galt als die bekannteste Deutschlands. Ob Politik oder Popkultur – seine oft reaktionären Kommentare wurden zu seinem Markenzeichen.
Neben seiner journalistischen Arbeit schrieb er als Ghostwriter für Prominente wie Franz Beckenbauer, Udo Jürgens und Boris Becker. Kritiker ordneten ihn kulturell in eine Reihe mit Figuren wie James Last oder Fips Asmussen ein: populär, aber polarisierend.
Sein letzter Beitrag galt Carlo Acutis, dem neu heiliggesprochenen Heiligen – ein Beispiel für seine Fähigkeit, aktuelle Themen mit persönlichen Reflexionen zu verbinden. Nach Wagners Tod übernahm Harald Martenstein 2026 die Kolumne und führt sie unter dem Titel Mail von Martenstein fort.
Alfred Hilsberg hingegen, eine Schlüsselfigur der Hamburger Gegenkultur, lehnte gängige Laster wie Bier oder Haschisch ab. Stattdessen bezeichnete er das regelmäßige Bild-Lesen als "bewusstseinserweiternde Droge" – eine ironische Hommage an Wagners Einfluss, selbst unter dessen Kritikern.
Wagners Tod markiert das Ende einer Ära für die Bild und die deutschen Medien. Seine Kolumnen, eine Mischung aus Humor, Skandal und konservativen Ansichten, waren für Millionen Leser fester Bestandteil. Mit Martenstein als Nachfolger lebt das Format weiter, doch sein kultureller Stellenwert könnte sich wandeln.
Auch Hilsbergs Ableben schließt ein Kapitel für die Hamburger Underground-Szene. Beide Männer prägten auf ihre Weise den öffentlichen Diskurs – der eine durch Massenmedien, der andere durch kulturrevolutionären Widerstand.