Chaos auf der Strecke Tübingen–Stuttgart: Warum Pendler und Unternehmen am Limit sind
Dietlind Grein GrothChaos auf der Strecke Tübingen–Stuttgart: Warum Pendler und Unternehmen am Limit sind
Die Bahnstrecke Tübingen–Stuttgart, eine lebenswichtige Verbindung für Pendler, Unternehmen, Forscher und Touristen, ist von schweren Beeinträchtigungen betroffen. Verspätungen, Zugausfälle und überfüllte Züge sind längst zur Regel geworden – Tübings Oberbürgermeister Boris Palmer spricht von der schlimmsten Situation seit über 30 Jahren auf dieser Strecke.
Die Probleme haben sich in den letzten Monaten zugespitzt. Züge kommen mittlerweile routinemäßig mit 15 Minuten oder mehr Verspätung an, während Ausfälle und vorzeitige Endhaltestellen – oft in Reutlingen statt Tübingen – Fahrgäste im Stich lassen. Die Überlastung verschärft sich zusätzlich, da verkürzte Zuggarnituren wegen der hohen Nachfrage nicht aus dem Verkehr gezogen werden können.
Ursächlich sind unter anderem Engpässe in der Stuttgarter Infrastruktur sowie anhaltende technische und personelle Probleme bei der Deutschen Bahn. Ein zentrales Problem ist die derzeitige Umkehrzeit von nur zehn Minuten am Tübinger Bahnhof, die keine Puffer für Verspätungen lässt. Als Lösung schlägt die Stadt ein überlappendes Wendesystem vor, das Verspätungen von bis zu 40 Minuten abfedern könnte. Bereits im Juni 2023 hatte Oberbürgermeister Boris Palmer in einem offenen Brief an Verkehrsminister Winfried Hermann dringend Maßnahmen zur Stabilisierung des Betriebs gefordert. Einer der Vorschläge ist die vorübergehende Aussetzung der RE-6-Linie zwischen Tübingen und Stuttgart. Dadurch würden Fahrzeuge und Personal freigesetzt, was die Belastung der verbleibenden Züge verringern würde. Ohne Eingreifen droht eine weitere Verschlechterung der Lage, die nicht nur Pendler, sondern auch die regionale Wirtschaft, wissenschaftliche Einrichtungen und den Tourismussektor treffen würde.
Die städtischen Vorschläge zielen darauf ab, durch angepasste Umkehrzeiten und eine Umverteilung der Ressourcen die Zuverlässigkeit wiederherzustellen. Sollten diese Maßnahmen umgesetzt werden, könnten Verspätungen und Überlastungen reduziert werden. Langfristig wird es jedoch notwendig sein, sowohl die infrastrukturellen Engpässe als auch die betrieblichen Herausforderungen der Deutschen Bahn anzugehen.