Cottbus feiert größten Christopher-Street-Day trotz wachsender queerfeindlicher Angriffe
Hiltraud HamannCottbus feiert größten Christopher-Street-Day trotz wachsender queerfeindlicher Angriffe
Cottbus verzeichnete grösste Christopher-Street-Day-Parade aller Zeiten
Am vergangenen Wochenende fand in Cottbus der bisher grösste Christopher-Street-Day (CSD) statt – rund 1.000 Teilnehmende versammelten sich unter dem Motto "Vereint in Frieden und Vielfalt". Die Veranstaltung stand im Schatten zunehmender Spannungen: Allein in diesem Jahr wurden in Brandenburg sechs queerfeindliche Angriffe registriert, hinzu kam kürzlicher Vandalismus am lokalen queeren Zentrum.
Den Auftakt der Parade bildeten die Dragqueen Miss Cherry Moonshine und ein Storch in roten Hosen. Dahinter zog sich eine 20 Meter lange Regenbogenflagge durch die Straßen. Etwa 200 Unterstützer:innen reisten aus anderen Städten an, ein Shuttlebus sollte sie vor möglichen Auseinandersetzungen mit Rechtsextremen schützen.
Zwei Gegenproteste waren angemeldet, doch nur rund 90 rechtsextreme Demonstrant:innen erschienen. Sie schlossen sich zu einer Gruppe zusammen und hielten ein Transparent mit der Aufschrift "Unsere Stadt bleibt hetero!". Der deutliche Unterschied in der Teilnehmerzahl unterstrich die wachsende Sichtbarkeit des CSD.
Die Organisator:innen hatten im Vorfeld mit Herausforderungen zu kämpfen: Am Freitag wurden Regenbogenflaggen am CSD-Büro beschädigt, und vergangene Woche gab es einen mutmaßlichen Brandanschlag auf das queere Zentrum Regenbogenkombinat. Christian Müller, einer der Cottbuser CSD-Organisatoren, hatte zudem Schwierigkeiten, freiwillige Ordner:innen zu gewinnen – viele fürchteten Repressalien.
Während des Marsches hielten Redner:innen Ansprachen auf Ukrainisch, Russisch, Arabisch und Polnisch, um die Solidarität mit queeren Communities im Ausland zu zeigen. Die Teilnehmenden forderten mehr gesellschaftliche Akzeptanz und politische Veränderungen, darunter ein Budget von 500.000 Euro für den Aktionsplan Queeres Brandenburg.
Noch vor zehn Jahren gab es in Cottbus und der umliegenden Region keine dokumentierten queeren Zentren oder bedeutende LGBTQ+-Initiativen. Seither hat sich die Sichtbarkeit der Community erhöht – doch Sicherheitsbedenken veranlassen manche Bewohner:innen nun, über einen Wegzug nachzudenken.
Die Rekordbeteiligung beim Cottbuser CSD deutet auf wachsende Unterstützung für LGBTQ+-Rechte in der Region hin. Gleichzeitig machen die jüngsten Angriffe und Vandalismusfälle die anhaltenden Spannungen deutlich. Organisator:innen und Teilnehmende setzen sich weiterhin für besseren Schutz und Förderung ein, um langfristig Sicherheit und Inklusion zu gewährleisten.