24 January 2026, 08:27

Der betrunkene Schiedsrichter, der Werder Bremen unsterblich machte

Ein Schiedsrichter in schwarzer Kleidung spricht mit zwei Männern auf einem Fußballfeld, einer in blau und rot Hemden mit Text, beide tragen Brillen.

Der betrunkene Schiedsrichter, der Werder Bremen unsterblich machte

Ein skurriler Fußball-Moment aus dem Jahr 1975 bringt Werder Bremen noch heute zum Lachen – und ein besonderes Getränk

Am 8. November 1975 leitete Schiedsrichter Wolf-Dieter Ahlenfelder ein Bundesliga-Spiel zwischen Werder Bremen und Hannover 96 – und das unter Alkoholeinfluss. Sein bizarres Verhalten wurde legendär und inspirierte sogar eine lokale Kneipe sowie einen Cocktail, die ihm zu Ehren benannt wurden.

Alles begann mit einem harmlosen Mittagessen vor dem Spiel. Ahlenfelder trank ein Bier und einen Malteser-Likör, ahnungslos, dass dies bald Geschichte schreiben würde.

Doch kaum hatte das Spiel begonnen, wurde sein Verhalten zunehmend seltsam. Er verzog das Gesicht, streckte die Zunge heraus und knurrte Trainer an der Seitenlinie an. Sowohl Spieler als auch Zuschauer bemerkten schnell, dass etwas nicht stimmte.

Dann, in der 32. Minute, schockierte er alle, indem er abrupt zur Halbzeit pfiff. Auf Nachfrage gab er seiner Uhr die Schuld. Die Verwirrung steigerte nur noch den Unterhaltungswert des Spektakels. Medien wie Bild und Kicker machten sich später über den Vorfall lustig, Bild scherzte: „Noch nie hat so wenig Alkohol so viel Freude bereitet.“ Werder Bremens damaliger Präsident, Franz Böhmert, fand die Szene köstlich. Er schlug sogar vor, der Verein hätte die Eintrittspreise für eine derart unterhaltsame Vorstellung erhöhen sollen.

Trotz der peinlichen Panne litt Ahlenfelders Karriere nicht darunter. Er leitete später noch 106 Bundesliga-Spiele und zählte zu den besten Schiedsrichtern Deutschlands. Doch der Vorfall von 1975 blieb unvergessen.

Fünf Jahrzehnte später lebt die Geschichte in Bremen weiter. Eine Kneipe in der Nähe des Weser-Stadions trägt den Namen „Ahlenfelder“ als Hommage. Wer dort einen „Ahlenfelder“ bestellt, bekommt ein Bier mit einem Schuss Malteser-Likör – jenes Getränk, das alles auslöste. Die Tradition ehrt aber auch eine dunklere Seite von Ahlenfelders Leben: Am 25. Oktober 1975, nur wenige Wochen nach dem Spiel, kam er bei einer Kneipenschlägerei in Bremen-Vegesack ums Leben. Der Fall führte zu einem viel beachteten Prozess und fügte seinem vielschichtigen Erbe eine weitere Facette hinzu.

Der „Ahlenfelder“-Drink und die gleichnamige Kneipe halten die Erinnerung an den skurrilen Moment wach. Was als amüsanter Patzer begann, wurde zu einem festen Bestandteil der Bremer Fußballkultur. Die Geschichte zeigt, wie ein einzelnes, ungewöhnliches Ereignis Generationen prägen kann.