02 April 2026, 14:12

Digitale Gewalt gegen Jugendliche: Warum Thüringen mit Workshops gegensteuert

Plakat mit Wasserpfeife, Marihuanablättern und einer Zigarette, begleitet von Text über den Zusammenhang zwischen E-Zigarettengebrauch bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen und dem Gebrauch anderer Tabakprodukte.

Digitale Gewalt gegen Jugendliche: Warum Thüringen mit Workshops gegensteuert

Digitale sexualisierte Gewalt gegen Jugendliche nimmt dramatisch zu

In den letzten Jahren hat digitale sexualisierte Gewalt gegen junge Menschen stark zugenommen. Fast die Hälfte der Minderjährigen in Deutschland berichtet mittlerweile von Online-Missbrauch – von Cyber-Grooming bis hin zu KI-generierten Deepfake-Pornografien. Ein einzigartiges Pilotprojekt in Thüringen hat das Problem mit Schulworkshops angegangen und damit Tausende Schülerinnen und Schüler erreicht.

Zwischen 2021 und 2026 stiegen die Fälle digitaler sexualisierter Gewalt unter Jugendlichen rasant an. Ausschlaggebend waren unter anderem die fast flächendeckende Smartphone-Nutzung – 2023 waren 95 Prozent der 16- bis 74-Jährigen täglich online – sowie die Verbreitung von Plattformen wie Snapchat, Instagram und TikTok. KI-erzeugte Deepfakes, oft mit nicht einvernehmlichen sexuellen Inhalten, betrafen bereits Hunderttausende. Dennoch bleibt die Anzeigebereitschaft gering: Nur 3 Prozent der sexualisierten Übergriffe werden der Polizei gemeldet.

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Allein von Cyber-Grooming waren 2025 fast ein Viertel der Minderjährigen betroffen. Täterinnen und Täter nehmen gezielt in Chats Kontakt zu Kindern auf, wobei aus harmlosen Gesprächen schnell Belästigung oder Missbrauch wird. Viele Verstöße geschehen auch im eigenen Umfeld, etwa in Klassenchats oder Freundeskreisen, wo Unerfahrenheit und Gruppendruck zu Grenzüberschreitungen führen.

Um dem Trend entgegenzuwirken, leitete Yasmina Ramdani über drei Jahre hinweg Präventionsworkshops in ganz Thüringen. Das vom Landesbeauftragten für den Kinderschutz geförderte Projekt war bundesweit das erste seiner Art. Ramdani erreichte rund 5.000 Schülerinnen und Schüler der fünften bis achten Klassen – unter anderem mit Methoden wie Bingospielen, um Erfahrungen auszutauschen und Begriffe zu klären. Lehrkräfte erkannten zwar die Dringlichkeit des Themas, fühlten sich aber oft überfordert.

Öffentlich bekannte Fälle wie die Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen wegen digitaler Gewalt rücken das Problem zusätzlich ins Bewusstsein. Expertinnen und Experten betonen, dass Prävention langfristig günstiger ist als die Bewältigung der Folgen. Eltern werden dazu aufgerufen, das eigene Verhalten zu reflektieren und offen mit Kindern über Grenzen zu sprechen.

Das Thüringer Pilotprojekt zeigt, wie gezielte Workshops das Bewusstsein von Jugendlichen schärfen können. Angesichts der Tatsache, dass fast jedes zweite Kind von digitaler Gewalt betroffen ist, bleiben frühzeitige Aufklärung und offener Dialog entscheidend. Schulen, Eltern und Politik müssen weiter zusammenarbeiten, um Risiken zu minimieren und Betroffene zu unterstützen.

Quelle