Fanprojekt-Sozialarbeiter in Karlsruhe: Geldstrafen statt Zeugenschutz – ein Systemversagen?
Angelo BriemerFanprojekt-Sozialarbeiter in Karlsruhe: Geldstrafen statt Zeugenschutz – ein Systemversagen?
Ein Rechtsstreit, der drei Sozialarbeiter des Karlsruher Fanprojekts betraf, ist mit Geldstrafen statt mit strafrechtlichen Konsequenzen beendet worden. Der Fall nahm seinen Anfang nach einem Pyrotechnik-Zwischenfall bei einem Spiel des Karlsruher SC im November 2023. Die Betroffenen standen unter Druck, als Zeugen auszusagen – was ihre vertrauensvolle Beziehung zu ihren Klienten gefährdete.
Unterdessen eskalierte die Gewalt zwischen Fans beim letzten Wochenendspiel im Wildparkstadion: Mehrere Ordner wurden verletzt, was die Debatte über Fanausschreitungen und die Rolle der Sozialarbeit bei der Prävention neu entfachte.
Die drei Sozialarbeiter waren zunächst ermittelt worden, nachdem sie sich weigerten, über den Pyrotechnik-Vorfall auszusagen. Anders als Kollegen in der Drogen- oder Schwangerschaftsberatung haben Mitarbeiter von Fanprojekten kein gesetzliches Recht, die Aussage zu verweigern. Ihre Weigerung begründeten sie mit ethischen Bedenken: Der Bruch des Vertrauensverhältnisses zu ihren Klienten widerspräche den Grundprinzipien ihrer Arbeit.
Richter Peter Stier vom Landgericht Karlsruhe stellte das Verfahren schließlich ein. Stattdessen wurden die Sozialarbeiter zu Geldstrafen zwischen 1.500 und 3.150 Euro verurteilt. Das Urteil machte eine rechtliche Lücke deutlich: Während Sozialarbeiter in einigen Bereichen ein Zeugnisverweigerungsrecht genießen, gilt dies nicht für Fanprojekt-Mitarbeiter – obwohl sie ähnlichen ethischen Verpflichtungen unterliegen.
Das Nationale Konzept für Sicherheit im Sport sieht vor, dass gefährdete Jugendliche durch aufsuchende Arbeit erreicht werden sollen – eine Aufgabe, die oft Fanprojekt-Mitarbeiter übernehmen. Diese Fachkräfte arbeiten mit gewaltbereiten oder straffälligen Personen, um weitere Vorfälle zu verhindern. Ohne rechtlichen Schutz ist ihre Arbeit jedoch anfällig für juristische Konflikte.
Das Bündnis für ein Zeugnisverweigerungsrecht in der Sozialen Arbeit fordert seitdem umfassendere rechtliche Absicherungen. Die Argumentation: Eine Ausweitung dieses Rechts würde die Integrität sozialer Arbeit in allen Bereichen schützen. Aktuell gibt es in Deutschland keine konkreten politischen Initiativen zu diesem Thema – Fanprojekt-Mitarbeiter bleiben damit in einer prekären Situation.
Die Ausschreitungen zwischen Fans des 1. FC Kaiserslautern und des Karlsruher SC am vergangenen Samstag unterstrichen die anhaltenden Herausforderungen. Mehrere Ordner wurden verletzt, was die Dringlichkeit wirksamer Präventionsstrategien verdeutlicht – viele davon basieren auf der vertrauensbasierten Arbeit der Fanprojekt-Teams.
Die gegen die drei Sozialarbeiter verhängten Geldstrafen beenden zwar diesen Fall, nicht aber die grundsätzliche Diskussion. Fanprojekt-Mitarbeiter arbeiten weiterhin ohne den gleichen rechtlichen Schutz wie andere Sozialarbeiter. Ihr Vertrauensverhältnis zu Klienten gerät jedes Mal in Gefahr, wenn Ermittlungen anstehen.
Die jüngste Gewalt im Wildparkstadion erinnert daran, wie angespannt die Fan-Kultur nach wie vor ist. Ohne klarere rechtliche Rahmenbedingungen bleiben diejenigen, die solche Vorfälle verhindern sollen, in einem ungelösten Konflikt zwischen beruflicher Verantwortung und rechtlichen Pflichten gefangen.