Faschingsumzüge in Rottenburg: Warum Rinderblasen die Schweineblasen verdrängen
Dietlind Grein GrothStinkend und laut - der seltsame Brauch mit Schweinsblasen - Faschingsumzüge in Rottenburg: Warum Rinderblasen die Schweineblasen verdrängen
Faschingsumzüge in Rottenburg: Schweineblasen weichen Rinderblasen
In Rottenburg am Neckar (Baden-Württemberg) vollzieht sich ein Wandel in der Faschingstradition: Die knallenden "Saublodere" – aufgeblasene Schweineblasen, die als Lärminstrumente bei Umzügen dienen – werden in einigen Zünften zunehmend durch Rinderblasen ersetzt. Der Grund? Die Gruppen suchen nach haltbareren und langlebigeren Alternativen für ihre rauschenden Feiern.
Jahrzehntelang setzten die Narrenzünfte auf Schweineblasen, um das markante Knallgeräusch der "Saublodere" zu erzeugen. Jede Blase wird an einen "Hagenschwanz" gebunden – die Genitalien eines geschlachteten Stiers oder eine Kuhschwanzquaste –, bevor sie mit Druckluft aufgeblasen wird. Der Prozess beginnt bei den Metzgern, die die Blasen liefern; diese werden entleert, in Lake eingelegt und auf ihre Reißfestigkeit geprüft.
Doch eine typische "Saublodere" hält nur zwei bis drei Umzüge, bevor sie verschlissen ist. Immer mehr Zünfte steigen daher auf Rinderblasen um, die größer als Schweineblasen sind und widerstandsfähiger. Sie überstehen das wiederholte Peitschen besser und erzeugen dennoch den gleichen lauten Knall, der die Zuschauer aufschrecken lässt.
Die Schweineblase selbst trägt eine symbolische Bedeutung: Sie steht für Eitelkeit und Maßlosigkeit während der Faschingszeit. Doch während sich die Tradition weiterentwickelt, setzen viele auf die praktischen Vorteile der Rinderblasen.
Ihr zunehmender Einsatz zeigt eine kleine, aber spürbare Veränderung im Rottenburger Faschingsbrauchtum. Größer und robuster als Schweineblasen verlängern sie die Lebensdauer der "Saublodere", ohne dass die Tradition an Lebendigkeit verliert. Vorerst bleiben beide Varianten Teil der lauten, ausgelassenen Feiern.