Gewalt durch Kinder in Baden-Württemberg erreicht Rekordhoch – ist das Strafrecht noch zeitgemäß?
Sylke SchmiedtKindesgewalt: Strobl fragt nach Strafmündigkeit - Gewalt durch Kinder in Baden-Württemberg erreicht Rekordhoch – ist das Strafrecht noch zeitgemäß?
Gewalt unter Kindern in Baden-Württemberg steigt seit Jahren kontinuierlich an
In Baden-Württemberg hat die Gewaltbereitschaft unter Kindern in den vergangenen zehn Jahren stetig zugenommen. Allein im Jahr 2022 wurden 1.243 Kinder mit gewalttätigen Straftaten in Verbindung gebracht – fast dreimal so viele wie noch vor einem Jahrzehnt. Angesichts dieser Entwicklung stellen Landesvertreter nun infrage, ob das in Deutschland geltende Mindestalter für strafrechtliche Verantwortung, das bei 14 Jahren liegt, noch zeitgemäß ist.
Die aktuellen Zahlen zeigen einen deutlichen Anstieg jugendbezogener Gewalt. Körperverletzungen durch Kinder haben sich im Vergleich zu vor zehn Jahren um fast 120 Prozent erhöht. Zwar ging die Zahl der tatverdächtigen unter 14-Jährigen im letzten Jahr leicht um 5,3 Prozent zurück, doch der langfristige Trend weist seit 2013 einen Anstieg von 57 Prozent auf. Das Jahr 2022 verzeichnete die höchste Zahl kindlicher Tatverdächtiger seit mindestens zwei Jahrzehnten.
Die meisten von Jugendlichen begangenen Straftaten betreffen Körperverletzungen und Diebstahl, insbesondere Ladendiebstahl. Zwar ist die Gewalt an Schulen rückläufig, dennoch wurden 2025 noch immer 2.612 Schüler Opfer von Straftaten. Insgesamt liegt die Zahl junger Tatverdächtiger bei Gewaltdelikten weiterhin über dem Zehnjahresschnitt – 2025 wurden 6.237 Fälle registriert.
Als Reaktion darauf haben Innenminister Thomas Strobl und Justizministerin Marion Gentges eine Studie vorgeschlagen. Diese soll untersuchen, wie sich das moralische Urteilsvermögen und die Selbstkontrolle von Kindern mit zunehmendem Alter entwickeln. Die Ergebnisse könnten künftige Entscheidungen darüber beeinflussen, ob das rechtliche Rahmenwerk für die Verantwortung von Jugendlichen angepasst werden muss.
Ziel der geplanten Studie ist es, genauere Erkenntnisse über die Entwicklung von Jugendkriminalität und die Fähigkeit zur Verantwortungsübernahme zu gewinnen. Sollten sich daraus Änderungen ergeben, könnten sie die Art und Weise verändern, wie Deutschland mit Straftaten von unter 14-Jährigen umgeht. Die vorliegenden Daten unterstreichen indes eine anhaltende Herausforderung: die Bewältigung von Gewalt durch die jüngsten Täter.