Grimme Online Award 2024: Proteste und Preise bei skandalumwitterter Verleihung
Hiltraud HamannGrimme Online Award 2024: Proteste und Preise bei skandalumwitterter Verleihung
Preisverleihung des Grimme Online Award 2024: Zwei Preisträger lehnen Auszeichnung aus Protest ab
Die Verleihung des Grimme Online Awards 2024 sorgte für Aufsehen, nachdem zwei Preisträger ihre Auszeichnung demonstrativ zurückwiesen. Moritz Riesewieck und Hans Block verließen die Bühne und ließen ihre Trophäe zurück. Ihre Aktion folgte der Aberkennung des Preises für Judith Scheytt durch den Förderverein, der mit dem Grimme-Institut verbunden ist.
Zu den weiteren Gewinnern zählten Projekte aus den Bereichen Gesundheit, Geschichte und soziale Themen, darunter Little Monsters (WDR) sowie Know & Grow (SWR für funk). Auch Eugen Rochko, der Schöpfer der dezentralen Plattform Mastodon, wurde geehrt.
Der Streit hatte begonnen, als der unabhängige Verein der Freunde des Adolf-Grimme-Preises Scheytts Auszeichnung entzog. Grimme-Direktorin Çiğdem Uzunoğlu bezeichnete diesen Schritt als "formell inkorrekt" und kündigte an, das Institut von dem Verein distanzieren zu wollen. Zudem versprach sie eine Debatte über die Unabhängigkeit der Jury.
Riesewieck und Block verurteilten die Entscheidung als Angriff auf die Freiheit der Jury. Während der Veranstaltung stellten sie ihren Preis auf das Podium und gingen. Später hob ein Mitarbeiter des Grimme-Instituts die Trophäe auf. Riesewieck warf Uzunoğlu zudem vor, sich der Verantwortung zu entziehen.
Trotz der Kontroverse wurden weitere digitale Projekte ausgezeichnet, darunter Gynaekollege von Mertcan Usluer, Femizide stoppen, Barrierebrecher, Parlamentsrevue sowie Herbst 89 – Auf den Straßen von Leipzig. Auch Gesundheits- und Lifestyle-Formate wie Little Monsters und Know & Grow erhielten Preise. Ein weiterer prominenter Gewinner war Eugen Rochko, Gründer der dezentralen Plattform Mastodon.
Seit dem Vorfall hat sich in den deutschen Medien jedoch keine breitere öffentliche Diskussion über die Unabhängigkeit von Jurys bei Medienpreisen entwickelt. Suchergebnisse zeigen kaum Hinweise auf eine weitergehende Debatte zu diesem Thema.
Das Grimme-Institut steht nun vor der Frage, wie es künftig mit dem Förderverein zusammenarbeiten wird. Uzunoğlus Ankündigung, die Verfahren zu überprüfen, deutet auf mögliche Änderungen hin. Die abgelehnte Auszeichnung bleibt indes eine seltene öffentliche Herausforderung für die Entscheidungsprozesse hinter einem der renommiertesten Medienpreise Deutschlands.






