26 February 2026, 06:40

Heizungsgesetz gekippt: Warum Deutschland die 65-Prozent-Regel für erneuerbare Energien abschafft

Eine Gruppe von Menschen steht vor einem Gebäude mit Säulen und einer Tür, hält ein Transparent mit Text, Fahnen mit Stangen und Luftballons und nimmt an einem Klimastreik in Deutschland teil.

Der Weg zum Heizungsgesetz: Was steht heute in Karlsruhe auf der Agenda? - Heizungsgesetz gekippt: Warum Deutschland die 65-Prozent-Regel für erneuerbare Energien abschafft

Deutschlands umstrittenes Heizungsgesetz, das am 1. Januar 2024 in Kraft trat, stieß von Anfang an auf heftigen Widerstand. Das Gesetz schrieb vor, dass neu installierte Heizsysteme mindestens 65 Prozent erneuerbare Energien nutzen müssen – eine Regelung, die Debatten über ihre Machbarkeit und Gerechtigkeit auslöste. Nun streicht die Regierung diese Vorgabe vollständig und setzt stattdessen auf einen neuen Ansatz.

Die Probleme begannen, als der ehemalige CDU-Abgeordnete Thomas Heilmann rechtliche Schritte einleitete. Er argumentierte, das überstürzte Gesetzgebungsverfahren verletze seine Rechte als Parlamentarier, da eine sachgemäße Debatte unterbunden worden sei. Daraufhin setzte das Bundesverfassungsgericht das Gesetz vorläufig außer Kraft, während es den Fall prüfte.

Die 65-Prozent-Regel für erneuerbare Energien entwickelte sich schnell zu einem politischen Zankapfel. Die oppositionelle Unionspartei forderte ihre vollständige Abschaffung und machte das Thema zu einem zentralen Punkt ihres Wahlkampfs für 2025. Unter diesem Druck einigte sich die aktuelle CDU/CSU-SPD-Koalition darauf, das Gebäudeenergiegesetz (GEG) durch ein neues Gebäudemodernisierungsgesetz zu ersetzen.

Das überarbeitete Gesetz streicht die 65-Prozent-Vorgabe. Stattdessen führt es eine « Grüngas-Quote » ein, die vorsieht, dass bis 2029 mindestens 10 Prozent der Heizbrennstoffe klimafreundlich sein müssen. Dieser Anteil soll schrittweise steigen, mit strengeren Zielen für das Jahr 2040. Die Änderung ermöglicht es, Öl- und Gasheizungen weiter zu betreiben – vorausgesetzt, sie erfüllen die neuen Quoten.

Die endgültige Entscheidung des Verfassungsgerichts zu Heilmanns Beschwerde steht noch aus. Doch die Kehrtwende der Regierung bei der Gesetzesreform deutet auf einen grundlegenden Kurswechsel in der Klimapolitik hin.

Die Abschaffung der 65-Prozent-Regel markiert eine deutliche Wende in Deutschlands Klimastrategie für die Wärmeversorgung. Hausbesitzer sehen sich nun anderen Auflagen gegenüber: Statt eines sofortigen Umstiegs steht die schrittweise Erhöhung klimafreundlicher Brennstoffquoten im Mittelpunkt. Das neue System soll ökologische Ziele mit praktischen Erwägungen zu Kosten und Umsetzbarkeit in Einklang bringen.