Igor Levits Wiener Konzerte werden zum mutigen Statement gegen Antisemitismus
Hiltraud HamannIgor Levits Wiener Konzerte werden zum mutigen Statement gegen Antisemitismus
Der Pianist Igor Levit ist seit langem eine der prägendsten Stimmen der klassischen Musik – gefeiert für seine künstlerische Brillanz wie für sein politisches Engagement. Angesichts des wieder erstarkten Antisemitismus erhält seine bevorstehende Konzertreihe im Wiener Musikverein nun eine tiefere Bedeutung: Sie wird zum Tribute an das jüdische Erbe und zu einer entschlossenen Antwort auf den Hass.
Geboren in Nischni Nowgorod, zog Levit mit acht Jahren nach Deutschland und lebt heute in Berlin. Die New York Times nannte ihn den bedeutendsten Künstler seiner Generation, doch sein Einfluss reicht weit über die Musik hinaus. Seit den Hamas-Angriffen vom 7. Oktober 2023 steht seine jüdische Identität im Mittelpunkt seines Schaffens.
Seine sechs Konzerte, die vom 17. bis 22. Oktober stattfinden, beginnen mit Ravels Kaddisch – einer Vertonung des jüdischen Trauergebets. Das Programm ehrt zudem Komponisten wie Schostakowitsch, Mendelssohn und Beethoven und inszeniert die Reihe als Feier des Lebens angesichts wachsender Intoleranz.
Levit hat sich wiederholt zu den jüngsten Absagen jüdischer Künstler geäußert, darunter die des Dirigenten Lahav Shani in Belgien. Er bezeichnete die Entscheidung als feige und antisemitisch und warnte, dass solche Vorfälle wohl zunehmen würden. Für sein Engagement erhielt er 2020 Anerkennung vom Internationalen Auschwitz-Komitee und das Bundesverdienstkreuz.
Bereits in diesem Jahr trat er bei der Wiedereröffnung der Münchner Synagoge Reichenbach auf, wo Bundeskanzler Friedrich Merz sichtbar zu Tränen gerührt war. Der Moment unterstrich Levits Rolle nicht nur als Musiker, sondern als Symbol der Widerstandsfähigkeit gegen Vorurteile.
Die Konzertreihe fällt in eine Zeit, in der der Antisemitismus in Europa wieder auflebt. Indem Levit jüdische Themen in den Mittelpunkt stellt und kulturelles Gedenken entschlossen fördert, werden seine Auftritte zur künstlerischen Stellungnahme und zum Aufruf zum Handeln. Die Veranstaltungen lenken zudem den Blick auf laufende Initiativen wie die Bildungsprojekte des Auschwitz-Komitees oder Stipendien für jüdische Künstler – Bemühungen, die mit Musik und Erinnerung gegen den Hass ankämpfen.