Ist Sienna Rose echt oder nur eine KI-Erfindung der Musikindustrie?
Angelo BriemerAI-Sängerin: Wer ist Sienna Rose - und warum sucht das Internet nach ihr? - Ist Sienna Rose echt oder nur eine KI-Erfindung der Musikindustrie?
Die Soulsängerin Sienna Rose sorgt weltweit für Aufsehen – nicht nur wegen ihrer Musik, sondern vor allem wegen der Frage, ob sie überhaupt existiert. Mit fast zwei Millionen monatlichen Hörern auf Spotify hat ihr rasanter Aufstieg Spekulationen genährt, es könnte sich bei ihr um eine KI-Kreation handeln und nicht um eine echte Person. Recherchen zu ihrer Herkunft förderten Verbindungen zu einer russischen Internetverbindung und einem Label zutage, das auf künstliche Popstars spezialisiert ist.
Auf ihrem Spotify-Profil präsentiert sich Sienna Rose als junge Frau mit Afro-Look und tiefbraunen Augen, die sich selbst als "Geschichtenerzählerin des Herzens" beschreibt und tief persönliche Musik schafft. Doch es gibt Hinweise, die Zweifel wecken. Internetrechercheure verweisen auf ihre ungewöhnlich schnelle Veröffentlichung von Songs, das Fehlen von Live-Auftritten und eine kaum vorhandene Social-Media-Präsenz als Warnsignale. Als Nachfragen aufkamen, verschwand eine frühere Version von Sienna Rose mit roten Haaren plötzlich von den Online-Plattformen – übrig blieb nur das aktuelle Avatar mit Afro-Frisur.
Der Bayerische Rundfunk verfolgte ihre Spuren bis zu einer russischen IP-Adresse und entdeckte Verbindungen zu Nostalgic Records, einem Label, das sich auf KI-generierte Acts konzentriert. Der Gründer des Unternehmens, Maksim Muravjov, steht in Kontakt mit Hafsteinn Runarsson, einem KI-Experten, der für die Erschaffung von Pop-Avataren bekannt ist und Kurse zum Vermarkten künstlicher Musik anbietet. Unterdessen schätzt die BBC, dass Sienna Rose ihren Machern wöchentlich über 2.000 Euro einbringt – das entspricht etwa einer Million Euro pro Jahr.
Die Debatte erhielt neuen Auftrieb, als Selena Gomez einen Track von Sienna Rose in einem Instagram-Post verwendete. Das löste sowohl virale Aufmerksamkeit als auch Spott über die Authentizität der Sängerin aus. Der Fall spiegelt eine größere Branchenproblematik wider: Im Jahr bis Herbst 2025 entfernte Spotify 75 Millionen KI-generierte Titel. Plattformen wie Deezer kennzeichnen mittlerweile KI-Inhalte und blockieren betrügerische Uploads – bis zu 85 % der KI-Einreichungen. Apple Music führte 2025 "Transparenz-Kennzeichnungen" ein, um KI in Musik, Artwork und Videos zu markieren. Spotify plant ähnliche Metadaten-Label über den DDEX-Standard.
Die Kritik an Streamingdiensten wird lauter. Der YouTuber Rick Beato warf Spotify vor, KI-generierte Musik aus Profitinteresse zu pushen, und verwies darauf, dass täglich Millionen von Titeln die Plattformen fluten – und 97 % der Hörer nicht zwischen KI- und menschengemachter Musik unterscheiden können.
Sienna Rose bleibt zwar auf Spotify präsent, doch ihre wahre Natur ist weiterhin ungeklärt. Der Fall unterstreicht die wachsenden Spannungen in der Musikbranche, wo KI-generierte Inhalte die Grenzen zwischen echten und künstlichen Künstlern verwischen. Während Plattformen ihre Erkennungssysteme verschärfen und Labels unter Beobachtung stehen, dauert die Debatte über Transparenz und Authentizität im Streaming weiter an.