04 March 2026, 15:54

Klimapionier Hans-Martin Henning verlässt nach 30 Jahren das Fraunhofer ISE

Ein Diagramm, das die Stromerzeugung aus Wind und Solar in Deutschland zeigt, mit begleitendem Text, der zusätzliche Dateninformationen bereitstellt.

Klimapionier Hans-Martin Henning verlässt nach 30 Jahren das Fraunhofer ISE

Ein langjähriger Energieexperte hat sich nach Jahrzehnten prägender Forschung und politischer Einflussnahme aus dem Berufsleben verabschiedet. Hans-Martin Henning, der mehr als 30 Jahre am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg wirkte, wurde bei einer Abschiedsveranstaltung im Freiburger Konzerthaus geehrt. Sein Ausscheiden markiert das Ende einer Karriere, die sowohl den wissenschaftlichen Fortschritt als auch die politischen Debatten zur Klimapolitik maßgeblich geprägt hat.

Henning trat dem Fraunhofer ISE Anfang der 1990er-Jahre bei und wurde 2017 gemeinsam mit Andreas Bett zum stellvertretenden Institutsleiter ernannt. Unter ihrer Führung entwickelte sich das Institut zum größten innerhalb der Fraunhofer-Gesellschaft. Darüber hinaus leitete er bis August 2023 den Expertenrat der Bundesregierung für Klimafragen.

Bei der Abschiedsfeier betonten Vertreter aus Wirtschaft und Politik die anhaltenden Herausforderungen in der Klimapolitik. Thekla Walker, baden-württembergische Ministerin für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, unterstrich die Notwendigkeit stabiler Planungsbedingungen, um Investitionen zu sichern. Norbert Schiedeck, Vorstandsvorsitzender der Vaillant Group, forderte mehr faktenbasierte Diskussionen und weniger politische Symbolpolitik.

Henning selbst hatte zuvor sieben zentrale Schritte skizziert, mit denen Deutschland Klimaneutralität erreichen könnte. Dazu gehörten die Modernisierung des Stromnetzes durch digitale Lösungen, der beschleunigte Ausbau der Kernnetze sowie die Überarbeitung von Förderprogrammen, um mehr Gerechtigkeit zu gewährleisten. Zudem drängte er auf eine zügige Umsetzung des EU-Gesetzes zur Netto-Null-Industrie (Net Zero Industry Act) und warnte, dass Verzögerungen den Fortschritt behindern würden. Seine Arbeit stand dabei oft im Kontrast zu politischen Ansätzen – so betonte Holger Hanselka, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, dass Deutschland zwar klare Ziele setzen solle, die besten Lösungen aber durch Wettbewerb und nicht durch dirigistische Vorgaben gefunden werden müssten.

Die Veranstaltung fand vor dem Hintergrund messbarer Fortschritte statt: Seit 1990 hat Deutschland seine Emissionen halbiert, ohne dabei das Wirtschaftswachstum im Vergleich zu Ländern wie Großbritannien oder Dänemark zu gefährden. Dennoch bleibt die Debatte darüber, wie sich Tempo, Innovation und soziale Gerechtigkeit in der Transformation vereinen lassen, umstritten.

Henning hinterlässt ein Erbe aus Forschung und Engagement in einer entscheidenden Phase für die deutsche Klimastrategie. Seine Vorschläge – von der Netzmodernisierung bis zu zielgenauen Subventionen – bleiben Teil der nationalen Diskussion. Die Abschiedsfeier machte zudem die Spannungen zwischen den Forderungen der Wirtschaft nach Planungssicherheit und den politischen Appellen nach schnellerem Handeln deutlich.