Kreuzberger Proteste gegen rechtsextreme Plattform Nius – "Digitaler Pranger" in der Kritik
Hiltraud HamannKreuzberger Proteste gegen rechtsextreme Plattform Nius – "Digitaler Pranger" in der Kritik
Im Berliner Bezirk Kreuzberg fand im Dragonerareal eine Informationsveranstaltung statt, die sich gegen Nius richtete – eine rechtsextreme Propaganda-Plattform. Die Veranstalter hatten mit möglichen Störungen gerechnet, da sie befürchteten, dass Mitarbeiter oder Anhänger von Nius versuchen könnten, während der Zusammenkunft Provokationen herbeizuführen.
Aktivisten aus dem antifaschistischen Spektrum versammelten sich in der Nähe des Veranstaltungsorts, um die Kundgebung zu schützen, die das Ziel verfolgte, die Rolle von Nius bei der Verbreitung rechtsextremer Hetze aufzudecken. Die Plattform wird vom Multimillionär Frank Gotthardt finanziert, der enge Verbindungen zur Führung der deutschen CDU unterhält. Wiederholt hat Nius spaltende Narrative verbreitet. Unter der Leitung von Chefredakteur Julian Reichelt bedient die Seite Klischees, rassistische Vorurteile und greift Geflüchtete, Klimaaktivisten, NGOs sowie die demokratische Zivilgesellschaft an.
Auf der gut besuchten Veranstaltung mit rund 250 Teilnehmenden wurde Nius als "digitaler Pranger" und "Schmutzkübel-Medium" bezeichnet. Zuvor hatte die Plattform Guido Arnold, ein Mitglied des technikkritischen capulcu-Kollektivs, ins Visier genommen, indem sie sein Foto veröffentlichte und seine Wohnung für einen diffamierenden Artikel ausspionierte. Zudem bewarb Nius die Veranstaltung aggressiv, stellte dabei aber die Initiative "Nein zu Nius" als "linksextrem" und "steuerfinanziert" dar – eine Taktik, die Kritiker als gezielte Spaltungsstrategie werten.
Trotz seiner kämpferischen Online-Präsenz bleibt der tatsächliche Einfluss von Nius begrenzt: Die Plattform zählt nicht zu den 100 meistgenutzten Online-Medien Deutschlands und verbuchte 2023 einen Verlust von 13 Millionen Euro. Demonstranten kündigten nun an, in den kommenden Tagen vor den Nius-Büros in der Ritterstraße in Kreuzberg protestieren zu wollen.
Die Veranstaltung endete ohne Zwischenfälle und füllte den Saal bis auf den letzten Platz. Nius agiert weiterhin als polarisierende Kraft im deutschen Medienlandschaft, doch die finanziellen Probleme und die geringe Reichweite werfen Fragen nach seiner langfristigen Wirkung auf. Mit wachsendem Widerstand gegen die Plattform sind weitere Proteste zu erwarten.






