01 February 2026, 16:34

"Krisendarsteller": Wie Berliner Künstler mit schwarzem Humor Ängste entlarven

Eine Frau in einem pinken Kleid mit zurückgebundenem Haar, die direkt in die Kamera schaut, auf dem Cover einer Zeitschrift mit der Aufschrift "Le Theatre".

"Krisendarsteller": Wie Berliner Künstler mit schwarzem Humor Ängste entlarven

Eine mutige neue Performance in Berlin stellt sich Verschwörungstheorien, Krisen und kollektiver Angst. Unter dem Titel "Wir Krisendarsteller: Doppelgänger im Zorn" verbindet die Show schwarzen Humor mit schonungslosen Fragen zu modernen Ängsten. Das Publikum wird mit allem konfrontiert – von Amokläufen bis zum Klimakollaps –, und das alles, während es zum Lachen und Nachdenken gebracht wird. Die Aufführung beginnt mit Alexander Karschnia, Mitglied des Künstlerkollektivs andcompany&Co., der infrage stellt, ob die Mondlandung wirklich stattfand oder nur inszeniert war. Sein Monolog nimmt bald eine düstere Wendung: Er thematisiert den Amoklauf 2018 an der Marjory Stoneman Douglas High School und die rechtsextreme Verschwörungstheorie, die die Überlebenden als "Krisendarsteller" diffamierte – ein Begriff, mit dem behauptet wird, reale Tragödien seien von bezahlten Schauspielern vorgetäuscht. Zunächst wirkt die Show chaotisch und absurd, geprägt von überzeichneten Szenen und surrealem Humor. Doch im Verlauf werden die zugrundeliegenden Themen deutlich. Die Künstler:innen deuten an, dass das Proben undurchdenkbarer Katastrophen – ob Atomkrieg, ökologischer Zusammenbruch oder systemisches Versagen – der Gesellschaft helfen könnte, sich ihnen zu stellen. Der Ton wird ernster und zieht das Publikum in eine Reflexion darüber, wie leicht Wahrheit verzerrt werden kann. Der Höhepunkt gipfelt in einer mitreißenden, kollektiven Interpretation von Freddie Mercurys "The Show Must Go On", dargeboten von fünfzig Berliner Künstler:innen. Die emotionale Wucht des Liedes, verbunden mit den Abends Themen, hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Als die letzten Töne verklingen, erhebt sich das Publikum zu stehenden Ovationen – sichtbar bewegt von dem Erlebten. Die Performance fordert die Zuschauer:innen auf, über Krisen – ob real oder erfunden – neu nachzudenken. Durch die Mischung aus Satire und ernüchternder Realität sprengt sie Grenzen des zeitgenössischen Theaters. Die Reaktion – Lachen, das in Stille übergeht und schließlich in Applaus mündet – zeigt, wie tief die Botschaft ankam.