Mainzer Fastnacht bricht mit Tradition – und bleibt doch sie selbst
Angelo BriemerFrauen-Deb├╝t bei "Mainz bleibt Mainz" - Mainzer Fastnacht bricht mit Tradition – und bleibt doch sie selbst
Die Mainzer Fastnachtsrevue 2026 hat mit der Tradition gebrochen – und ist doch ihren Wurzeln treu geblieben. Zum ersten Mal in fast 200 Jahren führte eine Frau durch das Protokoll der legendären Veranstaltung "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht". Gleichzeitig spitzte die Show ihre politische Satire zu und nahm sowohl globale Führungspersönlichkeiten als auch deutsche Politiker ins Visier.
Christina Grom schrieb Geschichte als erste Frau in der langjährigen Tradition der Revue, die das Protokoll leitete. Mit beißendem Spott griff sie Bundeskanzler Friedrich Merz, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump an. In einem besonders prägnanten Witz schlug sie vor, der Himmel möge Trump doch "etwas Verstand herabregnen lassen" – notfalls könne man ihm mit einer Gutenberg-Bibel "ein wenig Vernunft in seinen aufgeblähten Schädel" klopfen.
Doch die Veranstaltung bewahrte auch bewährte Elemente: So feierte Jürgen Wiesmann sein 25. Auftreten als Ernst Lustig, eine der beliebtesten Figuren des Mainzer Karnevals. Die Satire um Trump entwickelte sich dabei weiter: Während frühere Ausgaben noch seinen Haarschnitt, seine Tweets oder die "America First"-Politik auf die Schippe nahmen, lag der Fokus diesmal auf einer möglichen zweiten Amtszeit, seinen Wahlbetrugsbehauptungen und seiner isolationistischen Haltung. Auch globale Konflikte wie der Krieg in der Ukraine flossen in die Pointen ein.
Zum Abschluss übernahm der langjährige Moderator Andreas Schmitt die Rolle des "Hohen Altardiener" des Mainzer Doms. In seiner finalen Szene forderte er mehr Gleichberechtigung der Frauen in der katholischen Kirche.
Die Revue 2026 verband Innovation mit Tradition und setzte damit einen Meilenstein für die Rolle der Frau in ihrer Geschichte. Groms scharfer politischer Humor und Schmitts abschließende Worte unterstrichen die Mischung aus Satire und gesellschaftskritischem Kommentar, die die Show auszeichnet. Die Veranstaltung bleibt ein Höhepunkt der Mainzer Karnevalssaison – nun mit einem frischen, zeitgemäßen Blick.