Mannheimer Vereine arbeiten ihre NS-Vergangenheit auf – und zeigen erschreckende Anpassungen
Dietlind Grein GrothMannheimer Vereine arbeiten ihre NS-Vergangenheit auf – und zeigen erschreckende Anpassungen
Gedenkveranstaltung in Mannheim: Aufarbeitung der NS-Vergangenheit lokaler Vereine
Am 27. Januar fand in Mannheim eine Gedenkveranstaltung statt, um der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken. Im Mittelpunkt stand diesmal die Rolle von ortsansässigen Vereinen und Verbänden während der NS-Zeit. Vier Organisationen präsentierten ihre Forschungsergebnisse zu historischen Verbindungen zum Regime, wobei ihre Namen nicht im Detail öffentlich genannt wurden.
Die Veranstaltung beleuchtete, wie Jüdinnen und Juden in Mannheim nach den Novemberpogromen 1938 aus Sport- und Geselligkeitsvereinen ausgeschlossen wurden. Viele Verbände passten sich in den 1930er-Jahren aktiv an NS-Strukturen an – teils freiwillig, teils durch Zwangsauflösung und Eingliederung.
Die DGB-Jugend Nordbaden untersuchte die Zerschlagung der Gewerkschaften während der NS-Machtübernahme am 1. und 2. Mai 1933. Die Mannheimer Jugendfeuerwehr forschte zur Behandlung jüdischer Feuerwehrleute unter dem Regime. Die Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken verglich ihre heutige Organisation mit ihrem Vorgänger während der NS-Zeit.
Oberbürgermeister Christian Specht betonte, dass Vereine – selbst wenn sie sich als unpolitisch verstehen – eine gesellschaftsprägende Verantwortung tragen. Er rief sie auf, sich gegen Bedrohungen von Demokratie und Freiheit zu stellen. Prof. Dr. Deborah Kämper warnte davor, die eigene Verstrickung in die Vergangenheit zu verdrängen, und erinnerte daran, wie Organisationen einst antisemitische Politik und NS-Strukturen unterstützten.
Die Gedenkveranstaltung unterstrich die Notwendigkeit, dass sich Vereine mit ihrer historischen Rolle im Nationalsozialismus auseinandersetzen. Specht forderte sie auf, heute aktiv für den Schutz demokratischer Werte einzutreten. Die vorgestellten Erkenntnisse fließen in das städtische Erinnerungsprojekt ein, das Mannheim 2026 cityweit durchführen wird.