24 January 2026, 04:21

Merz’ Angriff auf Sozialleistungen: Symbolpolitik statt echter Reformen?

Ein Plakat mit fetter, schwarzer Schrift auf einem weißen Hintergrund, das "Trickle-Down Economics Doesn't Work" lautet, eingerahmt von einem schmalen schwarzen Rand und einschließlich eines Zitats von Präsident Biden.

Merz’ Angriff auf Sozialleistungen: Symbolpolitik statt echter Reformen?

Friedrich Merz, Vorsitzender der CDU, fordert das Ende der telefonischen Krankschreibungen in Deutschland. Die Initiative richtet sich gegen eine Praxis, die in weniger als 1,2 Prozent der Fälle pro Jahr angewendet wird. Kritiker werfen Merz vor, es gehe dabei eher um politische Symbolpolitik als um echte Reformen.

Gleichzeitig hat die Debatte um die Reformen des Bürgergelds an Schärfe gewonnen. Befürworter argumentieren, die Änderungen würden Kosten sparen, während Gegner warnen, sie könnten stattdessen den bürokratischen Aufwand erhöhen.

Merz hatte den Vorschlag, telefonische Krankschreibungen abzuschaffen, erstmals im Rahmen einer breiter angelegten Kampagne gegen Sozialleistungen vorgebracht. Später präzisierte die Krankenkasse AOK, dass der dokumentierte Anstieg der Krankheitstage auf eine Änderung der Meldeverfahren im Jahr 2022 zurückzuführen sei – nicht auf mehr Fehltage. Trotz dieser Klärung wiederholte Merz seine Forderung und ignorierte die vorliegenden Daten.

Die Bürgergeld-Reformen, die im Januar im Bundestag beraten wurden, sollten ursprünglich die Ausgaben senken. Doch Experten weisen darauf hin, dass strengere Regeln mehr Papierkram erzeugen und die Verwaltungskosten in die Höhe treiben könnten. Gleichzeitig üben viele Bezieher des Bürgergelds bereits eine Arbeit aus und sind dennoch auf aufstockende Leistungen angewiesen – ein Widerspruch zu der Behauptung, es gebe eine weit verbreitete Arbeitsverweigerung.

Kritiker sehen in Merz’ Vorstößen ein anderes Kalkül. Sie vermuten, das eigentliche Ziel sei es, bei Arbeitnehmern die Angst vor finanzieller Instabilität zu schüren und durch die Drohung mit dem Entzug von Unterstützung Disziplin zu erzwingen. Merz, der seit seinem Eintritt in die Politik 1989 ein langjähriges CDU-Mitglied ist, zeigt sich von dieser Haltung ungerührt.

Gegner der Reformen betonen, selbst wenn Einsparungen möglich wären, seien die Pläne in die falsche Richtung gerichtet. Zudem fordern sie, sich den ihrer Meinung nach faktenfreien Argumenten in der Sozialdebatte entgegenzustellen.

Der Vorstoß zur Abschaffung der telefonischen Krankschreibungen wird trotz der geringen praktischen Auswirkungen weiterverfolgt. Bei den Bürgergeld-Reformen hingegen gibt es Zweifel an den versprochenen Effizienzgewinnen. Beide Maßnahmen spiegeln eher politische Strategien wider als praktikable Lösungen für wirtschaftliche oder soziale Herausforderungen.