06 March 2026, 20:12

Merz fordert mehr private Altersvorsorge – und setzt auf europäische Vorbilder

Ein altes Dokument mit einem Schwarz-Weiß-Bild eines Mannes, Text 'brevet de pension' und einem Logo.

"50 Euro pro Monat" - Merz fordert Altersvorsorge - Merz fordert mehr private Altersvorsorge – und setzt auf europäische Vorbilder

Die deutsche Koalitionsregierung treibt eine Abkehr von der starken Abhängigkeit vom staatlichen Rentensystem voran. Bundeskanzler Friedrich Merz hat junge Arbeitnehmer aufgerufen, frühzeitig mit der privaten Altersvorsorge zu beginnen – selbst mit kleinen monatlichen Beträgen. Der Vorstoß orientiert sich an Beispielen anderer europäischer Länder, in denen kapitalgedeckte Rentenmodelle eine größere Rolle spielen.

Merz betonte, dass der Fokus der Reform nicht nur auf den Beitragssätzen zur gesetzlichen Rente liegen sollte, sondern auf privater Vorsorge. Schon 50 Euro monatlich, frühzeitig angelegt, könnten bis zum Renteneintritt zu einem sechsstelligen Betrag anwachsen. Der Koalitionsvertrag der Regierung spiegelt diesen Kurs wider, der die Abhängigkeit von der staatlichen Rente verringern soll.

Andere Länder haben bereits gemischte Rentensysteme mit stärkerer Kapitaldeckung eingeführt. Schweden führte eine verpflichtende, einkommensabhängige Zusatzrente von 2,5 Prozent ein, die von einer zentralen Behörde verwaltet wird. Die Beiträge der Arbeitnehmer fließen in zugelassene Fonds oder eine staatliche Standardoption, wobei die Anpassungen an Lohnentwicklung und Marktperformance gekoppelt sind. Steuerliche Anreize federn das System zusätzlich ab.

Die Niederlande setzen auf ein dreistufiges "Cappuccino-Modell": eine Grundsicherung durch die staatliche Rente, verpflichtende betriebliche Altersvorsorge – die fast alle Arbeitnehmer abdeckt – sowie freiwillige private Zusatzversorgungen. Zwar basiert das System auf Kapitaldeckung, doch könnte eine geplante Steuer auf nicht realisierte Gewinne ab 2028 die private Vorsorge beeinträchtigen. Auch Länder wie die Schweiz, Großbritannien und Finnland stützen sich stark auf kapitalgedeckte Rentensysteme, wobei die Vermögenswerte dort zwischen 82 und 173 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen – deutlich über den deutschen 11 Prozent.

Der Vorstoß der Regierung für mehr private Altersvorsorge entspricht einem europäischen Trend hin zu kapitalgedeckten Rentensystemen. Sollten die Reformen umgesetzt werden, könnte sich die Art und Weise, wie die Deutschen für den Ruhestand vorsorgen, grundlegend ändern – weg von der staatlichen Verantwortung, hin zu mehr Eigeninitiative. Der Erfolg eines solchen Modells wird jedoch von der Beteiligung der Bürger und dem langfristigen Wachstum der Investitionen abhängen.

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