Merz plant radikale Rentenreform: Arbeitsjahre statt Altersgrenze entscheiden
Hiltraud HamannBundeskanzler Friedrich Merz will Rente an Lebensarbeitszeit koppeln - Merz plant radikale Rentenreform: Arbeitsjahre statt Altersgrenze entscheiden
Bundeskanzler Friedrich Merz hat weitreichende Reformen des deutschen Rentensystems vorgeschlagen. Statt eines festen Renteneintrittsalters sollen die Bezüge künftig die insgesamt geleisteten Arbeitsjahre widerspiegeln. Sein Plan sieht zudem vor, dass Bürger früher privat vorsorgen, um die finanzielle Absicherung im Alter zu stärken.
Die Bundesregierung hat bereits das Modell der "aktiven Rente" eingeführt, das ältere Arbeitnehmer dazu ermutigt, länger im Beruf zu bleiben. Mit dieser Maßnahme sollen Fachkräftemangel und demografischer Wandel bekämpft werden – wer über das reguläre Renteneintrittsalter hinaus arbeitet, kann bis zu 2.000 Euro steuerfrei hinzuverdienen.
Merz betonte, dass dringende Sozialreformen noch in diesem Jahr umgesetzt werden müssten. Er warnte, dass grundlegende Kurskorrekturen mit Annäherung der nächsten Wahlen schwieriger durchzusetzen seien – 2024 biete daher ein entscheidendes Zeitfenster für Veränderungen.
Sein Konzept knüpft die Rentenhöhe an die Dauer der Erwerbstätigkeit und den Beginn der Beitragszahlungen. Die Idee: Wer früh und kontinuierlich vorsorgt, könnte bis zum Renteneintritt eine beträchtliche Altersvorsorge aufbauen. Damit würde das heutige System abgelöst, das primär auf die Sicherung eines Rentenniveaus von 48 Prozent abzielt.
Der Kanzler lehnte Forderungen nach einer Vier-Tage-Woche oder besserer Work-Life-Balance als Mittel zum Wohlstandserhalt ab. Stattdessen plädierte er dafür, dass die Deutschen mehr arbeiten sollten, um die Produktivität zu steigern – ohne die Einzelnen zu überlasten. Seine Haltung steht im Kontrast zu den Rufe nach Arbeitszeitverkürzung, wie sie etwa Gewerkschaften erheben.
Der Koalitionspartner SPD zeigte sich offen für Merz' Modell der lebenslangen Beitragsleistung. Dies deutet auf mögliche überparteiliche Unterstützung für eine Neugestaltung der Rentenberechnung hin.
Das bestehende Programm der "aktiven Rente" ermöglicht es Rentnern bereits, bis zu 2.000 Euro steuerfrei hinzuverdienen, wenn sie weiterarbeiten. Dieser Anreiz hat die Beschäftigungsquote in der Altersgruppe der 65- bis 69-Jährigen erhöht. Aktuell bietet jedes dritte kleine oder mittlere Unternehmen älteren Mitarbeitern eine Weiterbeschäftigung an, während Großbetriebe häufiger flexible Arbeitsmodelle anbieten.
Merz' Plan würde das Rentensystem von einem starren Alter hin zu einer Orientierung an den geleisteten Arbeitsjahren umbauen. Wird er umgesetzt, könnte dies die Altersvorsorge von Millionen Menschen grundlegend verändern. Die bereits bestehende "aktive Rente" fördert zwar längere Erwerbsbiografien, doch umfassendere Reformen erfordern politische Einigung.
Da die SPD bereit ist, den Vorschlag zu diskutieren, könnten die Verhandlungen über Rentenänderungen in den kommenden Monaten an Fahrt aufnehmen.