Neuer DEHOGA-Chef in Baden-Württemberg: Hotelier übernimmt in der Krise
Angelo BriemerHotelier aus Ostfildern wird neuer Vorsitzender des Gastgewerbeverbands - Neuer DEHOGA-Chef in Baden-Württemberg: Hotelier übernimmt in der Krise
Hans-Ulrich Kauderer, ein 59-jähriger Hotelier aus Ostfildern, ist zum neuen Landesvorsitzenden des DEHOGA Baden-Württemberg gewählt worden. Die Delegierten der Mitgliederversammlung in Ludwigsburg bestellten ihn einstimmig an die Spitze des Verbandes – in einer Phase wirtschaftlicher Turbulenzen für die Gastronomie. Er folgt auf Fritz Engelhardt, der nach zwölf Jahren im Amt zurücktrat und später zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde.
Kauderer, gelernter Volkswirt, führt gemeinsam mit seiner Tochter das Hotel Hirsch in Ostfildern-Ruit. Neben seinem Beruf engagiert er sich seit Langem ehrenamtlich im DEHOGA, zuletzt als Schatzmeister. Seine Wahl fällt in eine Zeit, in der die Branche mit wachsenden Herausforderungen kämpft: ein massiver Fachkräftemangel, steigende Kosten und sinkende Umsätze belasten die Gastronomie.
Die Krise der Branche hat sich in den vergangenen Jahren verschärft. Seit 2019 mussten tausende Gastgewerbebetriebe in Baden-Württemberg schließen, besonders betroffen sind ländliche Regionen. Allein in den ersten acht Monaten des Jahres 2023 brachen die Umsätze weiter ein – vor allem bei traditionellen Restaurants. Ein Tarifabschluss vom Januar 2026 unterstrich die anhaltenden Probleme: Aufgrund finanzieller Engpässe blieben die Lohnerhöhungen begrenzt. Der DEHOGA vertritt rund 12.000 Unternehmen in der Region, die etwa 300.000 Beschäftigte beschäftigen und einen Jahresumsatz von rund 15 Milliarden Euro erwirtschaften. Trotz Entlastung durch den gesenkten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent in der Gastronomie bleiben Nachhaltigkeitsanforderungen und die Bindung von Fachkräften zentrale Baustellen.
Kauderer übernimmt nun einen Verband, der sich in einem Spannungsfeld aus wirtschaftlichem Druck, höheren Kosten und schrumpfenden Umsätzen bewegt. Seine Erfahrung als Hotelier und Volkswirt wird entscheidend sein, um die Branche durch die Krise zu steuern. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob Maßnahmen wie die Mehrwertsteuerentlastung und Tarifvereinbarungen die angeschlagene Gastronomie stabilisieren können.