Prepaid-Karte für Asylsuchende: Warum 50 Euro Bargeld im Monat nicht reichen
Hiltraud HamannPrepaid-Karte für Asylsuchende: Warum 50 Euro Bargeld im Monat nicht reichen
Asylsuchende in Deutschland sehen sich weiterhin finanziellen Einschränkungen ausgesetzt – trotz der Einführung eines neuen Prepaid-Kartensystems. Zwar wurde die Karte in allen Bundesländern vereinbart, doch ihre flächendeckende Einführung stockt. Viele sind nach wie vor auf Bargeld angewiesen, doch strenge Abhebungslimits und Ausgaberegeln erschweren den Alltag.
Mit der Prepaid-Karte dürfen pro Person nur 50 Euro im Monat bar abgehoben werden. Dieser geringe Betrag zwingt Familien zu schwierigen Entscheidungen, etwa zwischen Lebensmitteln oder notwendigen Ausgaben wie Anwaltskosten. Zivilgesellschaftliche Initiativen springen ein und bieten in einigen Städten Gutscheine an, die gegen Bargeld eingetauscht werden können.
Seit Januar 2026 haben Großstädte wie Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt Solidaritätsinitiativen gestartet. Diese stellen Aufladegutscheine (Ladebonen) aus, mit denen Geflüchtete bargeldähnliche Zahlungen erhalten. Damit soll den Beschränkungen der Karte begegnet werden, da viele kleine Läden keine Kartenzahlungen akzeptieren – was Asylsuchende daran hindert, grundlegende Waren zu erwerben.
Das System schränkt zudem die finanzielle Selbstbestimmung ein. Überweisungen innerhalb Deutschlands bedürfen einer behördlichen Genehmigung, und es gibt keine Belege dafür, dass Geflüchtete große Summen ins Ausland schicken. Kritiker werfen der Karte vor, sie untergrabe die Integration, da sie Betroffene daran hindere, gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben – etwa weil sie nicht frei entscheiden können, wo sie ihr knapper Bemessene Mittel ausgeben.
Trotz der Einführung der Karte bleibt deren Nutzung uneinheitlich. Viele Asylsuchende kämpfen weiterhin mit dem geringen monatlichen Satz von 441 Euro für alleinstehende Erwachsene, der kaum die Lebenshaltungskosten deckt.
Die Prepaid-Karte begrenzt weiterhin die finanzielle Freiheit von Geflüchteten – durch strenge Bargeldabhebungsregeln und Ausgabenkontrollen. Zwar bieten kommunale Initiativen etwas Entlastung, doch das System bleibt eine Hürde für den Alltag und die Integration. Ohne eine breitere Umsetzung oder politische Änderungen werden Asylsuchende auch in den kommenden Monaten mit diesen Einschränkungen konfrontiert sein.