Rechtsextreme Gewalt gegen LGBTQ+-Zentren und Jugendprojekte eskaliert bundesweit
Hiltraud HamannRechtsextreme Gewalt gegen LGBTQ+-Zentren und Jugendprojekte eskaliert bundesweit
Angriffe auf Gemeinschaftszentren und zivilgesellschaftliche Gruppen nehmen in ganz Deutschland zu – vor allem rechtsextreme Akteure richten sich gegen LGBTQ+- und Jugendorganisationen. In Cottbus wurde das Rainbow Center kurz vor den lokalen Christopher-Street-Day-Feierlichkeiten bei einem Brandanschlag beschädigt. Gleichzeitig erhielt der Sozialarbeiter Bastian Drumm aus Kusel Morddrohungen und Hasspost, nachdem sein Zentrum zur Zielscheibe rechtsextremer Propaganda geworden war.
Die Amadeu Antonio Stiftung verzeichnete 2025 insgesamt 112 Angriffe auf die Zivilgesellschaft – im Schnitt alle drei Tage einen Vorfall. Die Hälfte der Attacken ereignete sich in Ostdeutschland, wo Bedrohungen gegen Aktivist:innen und Gemeinschaftsräume längst zum Alltag gehören. In Hannover wurde ein autonomes Jugendzentrum mit Buttersäure beschmiert, während in Riesa die AfD-Fraktion forderte, alle Teilnehmer:innen von Jugendprogrammen namentlich und mit Adresse zu registrieren.
Bastian Drumm, Sozialarbeiter in Kusel, entdeckte extremistische Aufkleber und Plakate, die rund um sein Gemeinschaftszentrum geklebt worden waren. Zudem erhielt er Hassbriefe und Todesdrohungen. Drumm kritisierte die AfD scharf, die Hass schüre, und forderte die Bundesregierung auf, entschlossener gegen rechtsextreme Gewalt vorzugehen. Gleichzeitig sprach er sich für eine Ausweitung des Programms "Lebendige Demokratie!" aus und warnte, die aktuelle Politik gehe in die falsche Richtung.
Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) kündigte kürzlich eine Neuausrichtung der Initiative "Lebendige Demokratie!" an – dadurch ist die Zukunft von rund 200 geförderten Projekten ungewiss. Expert:innen warnen, dass die AfD zwar Ziele markiere, andere rechtsextreme Gruppen aber zunehmend zu physischer Gewalt übergingen. Dies schaffe ein Klima der Angst für Aktivist:innen und marginalisierte Gruppen.
Die Welle der Angriffe hat viele zivilgesellschaftliche Initiativen in eine prekäre Lage gebracht. Kürzungen bei der Förderung und politische Verschiebungen verschärfen die Unsicherheit weiter. Über 200 Projekte stehen nach der Umstrukturierung von "Lebendige Demokratie!" vor dem Aus. Unterdessen fordern Aktivist:innen vehement besseren Schutz – denn die Bedrohungen von rechts werden immer häufiger und aggressiver.






