Rechtsextremer Jäger mit Waffenarsenal plante Anschlag auf Flüchtlingsheim
Hiltraud HamannRechtsextremer Jäger mit Waffenarsenal plante Anschlag auf Flüchtlingsheim
Ein Mann mit Jagdschein wurde in Süddeutschland festgenommen, nachdem er gedroht hatte, Geflüchtete in einer Unterkunft zu töten. Bei der Durchsuchung fanden die Beamten fünf geladene Schusswaffen, Messer und große Mengen Munition in seinem Besitz. Der Verdächtige trug Nazitätowierungen, darunter ein Hakenkreuz und SS-Symbole, die in einem Social-Media-Video zu sehen waren.
Der 54-jährige Mann aus Crailsheim wurde nach einem Hinweis auf seine gewalttätigen Drohungen in Gewahrsam genommen. Berichten zufolge plante er einen Angriff auf das LEA-Flüchtlingsheim in Ellwangen, eine Einrichtung, die bereits in der Vergangenheit für Kontroversen sorgte. In seinen Drohungen kündigte er an, "so viele Ausländer wie möglich" zu töten.
Die Ermittler stellten fest, dass der Beschuldigte die Waffen legal aufgrund seines Jagdscheins besaß. In Deutschland gibt es über 460.000 lizenzierte Jäger, denen der Zugang zu Schusswaffen bei angeblicher Zuverlässigkeit gewährt wird. Kritiker werfen dem System jedoch vor, rechtsextremen Extremisten Schlupflöcher zu bieten. Der Fall hat die Debatte über Waffenkontrolle und Extremismus neu entfacht. So berichtete Bayern bereits 2018, dass 325 Angehörige der Reichsbürgerbewegung – einer staatsfeindlichen Gruppe – Waffenbesitzscheine possuerten, oft als Jäger oder Sportschützen. Die aktuellen Gesetze verlangen zwar Zuverlässigkeitsprüfungen, sehen aber keine verpflichtenden psychologischen Untersuchungen oder Altersgrenzen für Jäger vor.
Jagdverbände betonen zwar ihre Rolle im Naturschutz und bei der Finanzierung von Lebensraummanagement. Doch Schusswaffen in Privatbesitz können Risiken verstärken und Gewalt ermöglichen, die sonst schwerer umzusetzen wäre. Der Vorfall in Crailsheim wirft zudem Fragen nach einer Radikalisierung innerhalb der Jägerschaft auf, wo extremistische Ansichten möglicherweise unbeanstandet bleiben, solange das Verhalten legal erscheint.
Die Festnahme hat Forderungen nach strengeren Kontrollen des Waffenbesitzes laut werden lassen. Die Behörden prüfen nun, wie Extremistendatenbanken automatisch Hochrisikopersonen in Waffenregistern kennzeichnen könnten. Der Fall zeigt Lücken bei der frühzeitigen Erkennung von Radikalisierung und der Kontrolle privater Waffenarsenale auf.