05 February 2026, 06:25

Schicksalsentscheidung für Wolf GW2672m: Gericht ringt um Abschuss im Schwarzwald

Ein Buch mit einer detaillierten Zeichnung einer Herde grasender Kühe in einem Feld, mit Text in Kursivschrift.

Warum ein Wolfschuss das Land spaltet - Schicksalsentscheidung für Wolf GW2672m: Gericht ringt um Abschuss im Schwarzwald

Der Rechtsstreit um das Schicksal eines Wolfs in Baden-Württemberg hat sich in dieser Woche zugespitzt. Das Verwaltungsgericht Stuttgart prüft derzeit eine Eilklage gegen die Abschussgenehmigung für GW2672m, einen ansässigen Wolf im Nördlichen Schwarzwald. Der Fall hat eine breite Debatte ausgelöst, bei der Petitionen für und gegen den Abschuss Tausende Unterschriften sammeln.

Der Wolf mit der Bezeichnung GW2672m steht im Mittelpunkt eines hitzigen Streits. Befürworter des Abschusses argumentieren, das Tier stelle eine Gefahr für Nutztiere und die menschliche Sicherheit dar – eine Petition für seine Tötung hat etwa 850 Unterschriften gesammelt. Gleichzeitig haben Gegner weitaus mehr Unterstützung mobilisiert: Rund 45.000 Menschen unterzeichneten Petitionen zur Rettung des Wolfs. In der gesamten Region fanden zudem Mahnwachen gegen den Abschuss statt.

Der Konflikt spiegelt tiefere Spaltungen in der deutschen Gesellschaft wider. Tierschützer, Jäger und Nutztierhalter stehen sich unversöhnlich gegenüber, während sich politische Gräben zwischen konservativen und linksgerichteten Positionen zur Wildtierbewirtschaftung auftun. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann äußerte kürzlich seine Überraschung über die emotionale Intensität, mit der die Diskussion geführt wird.

Offizielle Aufzeichnungen zeigen einen Anstieg von Wolfsangriffen auf Nutztiere in den vergangenen fünf Jahren. Attacken auf Schafe stiegen von 150 im Jahr 2021 auf über 400 im Jahr 2025, während Vorfälle mit Rindern und Ziegen moderater zunahmen – von etwa 50 auf 80 pro Jahr. Besonders betroffen sind die Landkreise Schwarzwald-Baar, Ortenau und Zollernalb. Seit 2021 wurden 12 Wölfe getötet, die als Gefahr für Landwirtschaft oder menschliche Sicherheit eingestuft wurden.

Der Wolfsforscher Peter Christoph Sürth führt die sich wandelnde öffentliche Wahrnehmung des Tieres teilweise auf Naturdokumentationen zurück. Doch die Rolle des Wolfs in Mythologie und Kultur schürt nach wie vor sowohl Faszination als auch Furcht. Die in den kommenden Tagen erwartete Gerichtsentscheidung wird darüber bestimmen, ob GW2672m das gleiche Schicksal ereilt wie seine Vorgänger.

Das Urteil wird einen Präzedenzfall für den künftigen Umgang Baden-Württembergs mit der Wolfspopulation schaffen. Angesichts der angespannten Lage und laufender juristischer Auseinandersetzungen wird das Ergebnis voraussichtlich sowohl die Politik als auch die öffentliche Meinung prägen. Vorerst bleibt die Debatte ein Zankapfel zwischen Artenschutz und den Sorgen der ländlichen Bevölkerung.