Schwennings neues Rathaus: Ein Wahrzeichen des industriellen Aufbruchs 1928
Dietlind Grein GrothSchwennings neues Rathaus: Ein Wahrzeichen des industriellen Aufbruchs 1928
Das alte Rathaus von Schwenningen, 1851 erbaut, genügte den Anforderungen der Stadt bereits in den 1920er-Jahren nicht mehr. Das rasante industrielle Wachstum und neue Verwaltungsaufgaben zwangen die Verantwortlichen, nach einem modernen Ersatz zu suchen. Nach einer knappen Abstimmung billigte der Stadtrat die Pläne für einen markanten Neubau des Architekten Hans Herkommer.
1926 beauftragte die Stadt Hans Herkommer, der für seine klaren Linien bekannt war, mit dem Entwurf des neuen Rathauses. Sein Design sah zwei Hauptfassaden vor: eine mit einem repräsentativen Eingang und dem Büro des Bürgermeisters zur Kirche hin, die andere mit sieben Bögen, die das alte Sparkassengebäude zum Marktplatz spiegelten. Der Bau erfolgte in Abschnitten, um den Verwaltungsbetrieb aufrechtzuerhalten – der erste Teil wurde bereits 1927 fertiggestellt.
Während der frühen Bauarbeiten entdeckten Gutachter schwere statische Mängel am alten Gebäude, sodass es bis auf die Kellerwände abgerissen werden musste. Trotz knapper Haushaltsmittel nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Projekt vorangetrieben, auch wenn die Kosten schließlich rund 220.000 Reichsmark über dem ursprünglichen Ansatz lagen. Am 30. Juni 1928 weihte Bürgermeister Dr. Lang von Langen das fertige Rathaus feierlich ein – fortan vereinte es Verwaltung, öffentliche Dienstleistungen und bürgerliche Funktionen unter einem Dach.
Das neue Rathaus entwickelte sich zu einem Wahrzeichen, das Zweckmäßigkeit mit architektonischem Prestige verband. Sein Design steht bis heute als Symbol für Schwennings Wachstum in den 1920er-Jahren. Noch immer dient das Gebäude als Mittelpunkt der lokalen Verwaltung.