SPD in Baden-Württemberg kämpft um Überleben vor der Landtagswahl 2026
Dietlind Grein GrothSPD in Baden-Württemberg kämpft um Überleben vor der Landtagswahl 2026
Die SPD in Baden-Württemberg steht vor den Landtagswahlen 2026 vor einem dramatischen Einbruch. Umfragen sehen die Partei bei nur noch 7 bis 9 Prozent – ein historisches Tief in der Region. Kritiker aus den eigenen Reihen machen schwache Führung und eine zersplitterte Kampagnenstrategie für den Absturz verantwortlich.
Spitzenkandidat Andreas Stoch gerät zunehmend unter Druck: Abgeordnete werfen ihm vor, zu wenig Profil zu zeigen. Statt klare Akzente zu setzen, wirke er zu zurückhaltend und könne zentrale Themen wie den Verlust von Industriearbeitsplätzen oder steigende Heizkosten nicht überzeugend besetzen. Gerade diese Fragen, die eigentlich der SPD in die Hände spielen müssten, werden stattdessen von den Grünen und der CDU dominiert.
Ein aktueller Dokumentarfilm zeigte Stoch in einer Tafel in Baden-Baden, wo er seinen Fahrer nach Frankreich schickte, um Entenpastete zu besorgen – eine Aktion, die im Endspurt des Wahlkampfs Spott auslöste. Später räumte er ein, die Stimmung in der Partei sei "deprimierend", und äußerte Erleichterung, dass die Wahl bald vorbei sei.
Daniel Krusic, Vorsitzender der SPD-Jugendorganisation Jusos, kritisierte den "planlosen" Kurs der Partei. Statt sich auf wenige Kernthemen zu konzentrieren, habe man zu viele Baustellen gleichzeitig angepackt – und dabei versäumt, schärfer gegen die CDU vorzugehen. Derya Türk-Nachbaur, parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Bundestagsfraktion, verwies zudem auf die mediale Fokussierung auf das Duell der Spitzenkandidaten von Grünen und CDU als weiteren Grund für die schlechten Umfragewerte.
Im Wahlprogramm der SPD fehlen konkrete Maßnahmen zum Erhalt von Industriejobs oder zur Entlastung bei den Heizkosten. Stattdessen setzt man auf eine "Transformationsmilliarde" – Wirtschaftshilfen, die an den Erhalt von Arbeitsplätzen geknüpft sind – sowie ein Bürokratiemoratorium, um Investitionen in nachhaltige Landwirtschaft und Luftfahrt zu erleichtern.
Die inneren Zerwürfnisse und strategischen Fehltritte der SPD machen es der Partei schwer, wieder Boden gutzumachen. Mit einstelligen Umfragewerten droht ihr das schlechteste Ergebnis in Baden-Württemberg aller Zeiten. Die Wahl wird zeigen, ob es noch gelingt, die traditionelle Wählerklientel – einst bei fast 40 Prozent – zu mobilisieren.