Stuttgarts "Treff am Bahnhof": Ein Erfolgsmodell für Menschen in Not
Sylke SchmiedtStuttgarts "Treff am Bahnhof": Ein Erfolgsmodell für Menschen in Not
Vor einem Jahr eröffnete Stuttgart den Treff am Bahnhof, eine Anlaufstelle für Menschen in prekären Lebenssituationen. Das Projekt ist bisher erfolgreich: Täglich nutzen etwa 50 Personen das Angebot, und die Finanzierung ist bis 2027 gesichert. Anders als klassische Obdachlosenunterkünfte hat das Zentrum sechs Tage die Woche geöffnet – Übernachtungen sind jedoch nicht möglich.
Die Einrichtung hält klare Regeln ein: Alkohol ist erlaubt, Cannabis hingegen verboten. Unangekündigte Kontrollen sorgen für die Einhaltung, und Ehrenamtliche können Tagesverbote verhängen, während die Organisation eva bei schwerwiegenden Verstößen dauerhafte Hausverbote durchsetzt. Trotz dieser Vorgaben herrscht eine offene Atmosphäre: Sozialarbeiter:innen kommen wöchentlich vorbei, und Passant:innen halten oft zum Plaudern oder Spenden an.
Die Besucher:innen gestalten den Ort aktiv mit. Joachim Wörner etwa verwaltet Schlüssel und übernimmt Putzaufgaben. Die Gruppe wünscht sich zudem Fachvorträge zu Themen wie Aids-Prävention, Sucht oder Tierschutz. Auffällig ist, dass zunehmend mehr Frauen die Einrichtung nutzen.
Stuttgarts Oberbürgermeister Yalcin Bayraktar betonte, wie wichtig die Verbindung von Ordnungsrecht und sozialer Unterstützung sei. Zwar plant die Stadt keine weiteren Zentren, doch ähnliche Initiativen gibt es andernorts – etwa Obdach e.V. in Heidelberg, der Malteser Wärmebus, die Kölner Streetangels oder die Begleittreffen in Berlins Kreuzberg.
Der Treff am Bahnhof floriert dank seines strukturierten, aber flexiblen Ansatzes. Mit stabiler Besucherzahlen und starkem Gemeinschaftsengagement zeigt das Modell, wie praktische Hilfe für benachteiligte Gruppen gelingen kann. Die gesicherte Finanzierung bis 2027 garantiert, dass die Arbeit auch in den kommenden Jahren fortgeführt wird.