TFA: Der ewige Chemikalie in deutschem Trinkwasser
TFA: Die ewige Chemikalie im deutschen Trinkwasser
Teaser: Jahre lang wurde TFA legal in öffentliche Gewässer eingeleitet. Nun rätseln Experten, wie sich der unerwünschte Stoff aus der Umwelt entfernen lässt.
21. Dezember 2025
Ein hartnäckiger chemischer Schadstoff breitet sich seit über einem Jahrzehnt leise in deutschen Flüssen und Seen aus. Trifluoressigsäure, kurz TFA, wurde 2008 für kontrollierte Einleitungen zugelassen – doch die langfristigen Folgen sorgen nun für ernste Besorgnis. Wasserversorger warnen, dass steigende Belastungswerte bald Millionen Menschen bedrohen könnten.
Am 12. September 2008 gab das Umweltbundesamt (UBA) grünes Licht für die Einleitung von TFA in öffentliche Gewässer. Die Genehmigung galt nur für überwachte Forschungs- und Industrieeinleitungen unter strengen Auflagen. Seither haben Industrie, Landwirtschaft und Haushalte zu ihrer Verbreitung beigetragen.
TFA ist eine extrem stabile, wasserlösliche Säure, die als Nebenprodukt fluorierter Chemikalien entsteht – darunter PFAS, Pestizide, Kältemittel und bestimmte Arzneimittel. Weil sie sich nur extrem langsam abbaut, stufen Wissenschaftler sie als „ewige Chemikalie“ ein. Spuren finden sich mittlerweile in Grundwasser, Flüssen, Meeren und sogar in Pflanzen. Aktuelle Daten zeigen, dass sich die Belastungswerte im Hochrhein-Gebiet innerhalb weniger Jahre verdoppelt haben. Der Bodensee-Rhein-Wasserversorgungsverband (AWBR), der über 10 Millionen Menschen mit Trinkwasser versorgt, hat Alarm geschlagen. Herkömmliche Filteranlagen können TFA nicht entfernen – die Wasserversorger stehen vor einem kaum lösbaren Problem.
Doch das Problem beschränkt sich nicht auf Industrieabfälle. Rund die Hälfte der TFA-Belastung stammt aus der Landwirtschaft, der Rest aus Fabriken, Betrieben und Haushalten. Noch bis vor kurzem leitete eine deutsche Tochter des belgischen Chemiekonzerns Solvay legal behandelte TFA in den Neckar ein. Nun reagieren die Gesundheitsbehörden: Das Bundesamt für Chemikalien (BfC) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) haben TFA als reproduktionstoxisch eingestuft. Diese Neubewertung verschärft die Forderungen nach strengeren Kontrollen.
Da die TFA-Werte steigen und es keine wirksamen Methoden zu ihrer Beseitigung gibt, steht die Wasserversorgung vor einer eskalierenden Krise. Die Langlebigkeit der Chemikalie in der Umwelt lässt befürchten, dass sich die Kontamination weiter verschlimmert. Die Behörden geraten zunehmend unter Druck, die Vorschriften zu überprüfen und Wege zu finden, um weitere Schäden zu begrenzen.