Wie E-Auto-Besitzer in Baden-Württemberg mit flexiblem Laden Geld verdienen und das Stromnetz entlasten
Angelo BriemerWie E-Auto-Besitzer in Baden-Württemberg mit flexiblem Laden Geld verdienen und das Stromnetz entlasten
Pilotprojekt in Baden-Württemberg testet, wie E-Auto-Besitzer das Stromnetz entlasten und dabei Geld verdienen können
Seit 2023 läuft in Baden-Württemberg das Projekt LadeFlexBW, das untersucht, wie Besitzer von Elektrofahrzeugen (E-Autos) durch flexibles Laden nicht nur das Stromnetz stabilisieren, sondern auch ein zusätzliches Einkommen erzielen können. Was mit 200 Teilnehmern begann, ist bis März 2026 auf rund 1.200 gewachsen. Das Besondere: Die Fahrer werden für ihre Flexibilität belohnt, ohne dass ihr Alltag beeinträchtigt wird oder intelligente Stromzähler erforderlich sind.
LadeFlexBW funktioniert als marktbasiertes, freiwilliges Programm für private E-Auto-Besitzer in der Region. Die Teilnehmer erhalten eine finanzielle Vergütung, wenn sie ihre Ladezeiten anpassen und so dazu beitragen, die Netzlast auszugleichen. Das Projekt läuft parallel zu bestehenden Stromverträgen – die Flexibilität wird dabei separat vom eigentlichen Strombezug gehandelt.
Das Vorhaben passt in das deutsche System der Standardlastprofile und beweist, dass netzdienliches Laden auch ohne aufwendige Messtechnik möglich ist. Dank seiner skalierbaren Struktur lässt sich das Modell auf alles anwenden – von einigen hundert bis zu zehntausenden Fahrzeugen. Durch gezielte Werbekampagnen und Partnerschaften verzeichnet das Projekt ein stetiges Wachstum und gewinnt jährlich 500 bis 600 neue Nutzer hinzu.
Dominique Gross, Geschäftsführer von Intelligent Energy System Services (IE2S), sieht in LadeFlexBW einen Test für ein neues Geschäftsmodell. "Indem wir E-Auto-Besitzern Anreize für Flexibilität bieten, können wir sowohl Marktchancen als auch Netzvorteile erschließen", so Gross. Oliver Strangfeld, Vorstand beim Netzbetreiber TransnetBW, unterstützt solche Praxisversuche, um die großflächige Einführung zu beschleunigen.
Die Erkenntnisse aus LadeFlexBW könnten künftig die Gestaltung von Stromtarifen, digitalen Ladediensten und regulatorischen Rahmenbedingungen beeinflussen. Das Projekt steht im Einklang mit Europas Bestrebungen, die Nachfragesteuerung auszubauen, und zeigt einen praktikablen Weg auf, wie Elektromobilität in die Energiewende integriert werden kann.
Seit dem Start hat sich die Teilnehmerzahl verfünffacht – ein klares Zeichen für das große Interesse unter privaten E-Auto-Fahrern. Sollte sich das Modell bewähren, könnte es bundesweit als Blaupause für flexible Ladelösungen dienen. Die gesammelten Daten helfen zudem dabei, Energiepolitiken, Netzentgelte und Dienstleistungen für ein stabileres Stromsystem weiterzuentwickeln.






