17 January 2026, 13:56

Wie ein Schlüsseldienstmeister 500.000 Bayernhymnen verteilte – und trotzdem scheiterte

Ein detaillierter alter Stadtplan von München, Deutschland, der Straßen, Gebäude, Sehenswürdigkeiten und die umliegende Gegend mit feinen Details und klassischer Schrift zeigt.

Wie ein Schlüsseldienstmeister 500.000 Bayernhymnen verteilte – und trotzdem scheiterte

Im Jahr 2005 sorgte ein bayerischer Schlüsseldienstmeister für Schlagzeilen, indem er eine halbe Million Exemplare der Bayernhymne – der Landeshymne Bayerns – verteilte. Rudolf Hierls ungewöhnliche Aktion sollte den Einheimischen helfen, sich den Text zu merken, den die meisten über die erste Zeile hinaus nicht kennen. Für seine Bemühungen erhielt er sogar einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde für die größte manuelle Verteilung eines einseitigen Dokuments.

Der Münchner Schlüsseldienstmeister Rudolf Hierl verbrachte Monate damit, persönlich über 500.000 Karten mit dem vollständigen Text der Bayernhymne zu verteilen. Trotz seines Engagements konnte die Kampagne die Erinnerung an die Liedzeilen nicht verbessern. Viele Bayern kennen noch immer nur die erste Zeile – ein Problem, das selbst der ehemalige Ministerpräsident Edmund Stoiber erlebte, als er einmal stumm die Lippen bewegte, nachdem er den Rest vergessen hatte.

Das Problem ist nicht auf Bayern beschränkt. Die Hymne der Europäischen Union, basierend auf Beethovens Neunter Sinfonie und Schillers An die Freude, wird ohne Text aufgeführt, um sprachliche Streitigkeiten zu vermeiden. Ihr Inhalt, der unter anderem von einem „Cherub vor Gott“ spricht, hat wenig mit bayerischer Küche zu tun – trotz etwaiger humorvoller Verwechslungen. Selbst Markus Söder, der ehemalige bayerische Ministerpräsident, dürfte die Worte der EU-Hymne kaum kennen. Hierls rekordverdächtige Aktion brachte ihm einen Platz im Guinness-Buch der Rekorde ein. Berichten zufolge gelangten seine Karten bis nach China, doch die Liedzeilen blieben für die meisten Bayern weiterhin so ungreifbar wie eh und je.

Hierls Massenverteilung stellte zwar einen Weltrekord auf, löste das Problem der vergessenen Texte aber nicht. Sowohl die Bayernhymne als auch die EU-Hymne werden weiterhin – mit begrenztem Erfolg – gesungen oder summend vorgetragen. Vorerst kommen Bayern und Amtsträger gleichermaßen kaum über die erste Zeile hinaus.