13 June 2026, 16:09

Angélica Liddells provokante Hommage an Mishimas rituellen Tod

Wien-Festival: Ritualisierte Todesekstase

Angélica Liddells provokante Hommage an Mishimas rituellen Tod

Angélica Liddell präsentierte bei den Wiener Festwochen ihre neueste Arbeit Seppuku: Die Bestattung Mishimas oder die Lust am Sterben. Die Performance befasst sich mit dem Leben und Tod jener, die sich bewusst für den Freitod entschieden haben, und greift dabei stark auf das Erbe des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima zurück.

Mishimas ritueller Selbstmord im Jahr 1970 dient als zentraler Bezugspunkt. Sein Kurzfilm von 1966, in dem ein inszeniertes Seppuku gezeigt wird, inspirierte Liddell zusätzlich zu ihrer künstlerischen Auseinandersetzung mit dieser Tat. Das Stück verbindet Elemente des Nō-Theaters mit westlicher Performance-Kunst und gipfelt in einer Nachstellung von Mishimas letzten Augenblicken.

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Für die Produktion sammelte Liddells Kompanie Atra Bilis Teatro Kleidungsstücke von Verstorbenen. Auf der Bühne trägt Liddell diese Gewänder, um das Leid derer verkörpern, die durch Suizid starben. Ein besonders eindringlicher Moment zeigt, wie sich Liddell und eine weitere Performerin vor den Augen des Publikums Blut abnehmen lassen und es vermischen.

Dunkler Humor und eine fast ekstatische Verteidigung des Suizids prägen die Arbeit. Liddells persönliche Verbindung zum Thema vertiefte sich, nachdem sie am 7. Januar 2024 in Madrid den Suizid einer Frau miterlebt hatte. Die Inszenierung konfrontiert das Publikum mit rohen, eindringlichen Bildern und persönlichen Zeugnissen. Sie hinterfragt unsere Wahrnehmung von Sterblichkeit und ehrt gleichzeitig die Geschichten der Verstorbenen. Die Premiere unterstreicht einmal mehr Liddells provokantes und mutiges Schaffen.

Quelle