Bahnstrecke Hamburg–Berlin wieder offen – doch die Probleme bleiben
Hiltraud HamannBahnstrecke Hamburg–Berlin wieder offen – doch die Probleme bleiben
Die Bahnstrecke Hamburg–Berlin ist nach langer Sperrung wieder in Betrieb – doch nicht ohne Probleme
Die Strecke war seit August 2022 für umfangreiche Modernisierungsarbeiten komplett gesperrt worden – mit weit höheren Kosten als geplant. Doch schon kurz nach der Wiederinbetriebnahme Mitte Juni häufen sich die Schwierigkeiten.
Die Sperrung hatte Anfang August 2022 begonnen und betraf Fern-, Regional- und Güterzüge gleichermaßen. Reisende mussten monatelang mit langen Umwegen leben: Fernverkehrszüge wurden über Stendal und Uelzen umgeleitet, Regionalverkehrskunden waren auf Ersatzbusse angewiesen.
Harte Winterbedingungen verschärften die Verzögerungen zusätzlich. Anhaltender Frost im Januar und Februar ließ den Boden gefrieren, sodass die Bauarbeiten wochenlang ruhen mussten. Auch das Budget explodierte: Aus den ursprünglich veranschlagten 2,2 Milliarden Euro wurden schließlich 2,7 Milliarden – zusätzlich ging ein 300-Millionen-Euro-Risikopuffer komplett auf. Die Strecke ging schließlich Mitte Juni in Betrieb, mit sechs Wochen Verspätung.
Doch schon bei der Wiedereröffnung gab es Pannen: Aufzüge fielen aus, Züge fuhren nicht wie vorgesehen. Noch gravierender: Das neue europäische Zugsicherungssystem ETCS (European Train Control System) konnte nicht wie geplant installiert werden. Das bedeutet, dass innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre eine weitere langfristige Vollsperrung nötig sein wird.
Die Sanierung ist Teil eines größeren Programms, das bis Mitte der 2030er-Jahre Dutzende Strecken modernisieren soll. Doch die Branche übt Kritik an solchen Großprojekten. Ausgedehnte Sperrpausen und steigende Kosten werfen Fragen über die Sinnhaftigkeit dieses Vorgehens auf.
Zwar ist die Verbindung Hamburg–Berlin nun wieder befahrbar, doch technische Anfangsprobleme und verpasste Fristen trüben die Freude über die Wiedereröffnung. Weitere Modernisierungen stehen noch an – und bereits jetzt zeichnet sich ab, dass eine erneute langfristige Sperrung unvermeidbar sein wird. Die Kostenexplosion und Verzögerungen bei diesem Projekt könnten künftig Einfluss darauf haben, wie ähnliche Vorhaben geplant und umgesetzt werden.
