Bayreuther Festspiele: Wie eine Institution ihre NS-Vergangenheit aufarbeitet
Sylke SchmiedtBayreuther Festspiele: Wie eine Institution ihre NS-Vergangenheit aufarbeitet
Das Bayreuther Festspielhaus ringt seit langem mit dem Erbe von Richard Wagners Antisemitismus und den eigenen historischen Verstrickungen in den Nationalsozialismus. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat es Schritte unternommen, um sich dieser Vergangenheit durch Inszenierungen, Diskussionen und Gedenkstätten im Festivalpark zu stellen.
Das Festival hat Maßstäbe dafür gesetzt, Kunst und ihre Geschichte kritisch einzuordnen. Gedenksteine im Park erinnern an die im NS-Regime ermordeten oder vertriebenen Juden. Auf der Bühne haben Regisseure wie Katharina Wagner, Stefan Herheim und Barrie Kosky Wagners Antisemitismus direkt thematisiert. Symposien und künstlerische Debatten haben sich mit den Ansichten des Komponisten und der Rolle der Familie im Nationalsozialismus auseinandergesetzt.
Jüdische Dirigenten, darunter Daniel Barenboim und Kirill Petrenko, prägten maßgeblich die musikalische Identität des Festivals. Kürzlich sorgte eine geplante Veranstaltung mit Michel Friedman für Aufsehen. Friedman warf dem Festival vor, sich der historischen Aufarbeitung zu entziehen. Katharina Wagner begründete die zunächst geplante Absage mit Sicherheitsbedenken.
Christian Thielemann präzisierte, dass Gespräche über die Veranstaltung bereits vor über einem Jahr begonnen hätten, er selbst aber nie eine Zusage gegeben habe. Später entschuldigte sich das Festival bei Friedman. Die Veranstaltung wird nun wie geplant stattfinden.
Das Festival setzt sich weiterhin mit seiner Vergangenheit auseinander – durch künstlerische Projekte, öffentliche Debatten und Gedenkinitiativen. Die Einigung mit Michel Friedman markiert einen weiteren Schritt in diesem andauernden Prozess.






