"Das Gleichnis der Säure" bricht bei den Wiener Festwochen mit Körpernormen
Sylke Schmiedt"Das Gleichnis der Säure" bricht bei den Wiener Festwochen mit Körpernormen
„Das Gleichnis der Säure“ feiert Premiere bei den Wiener Festwochen
Am Donnerstag hatte die Performance Das Gleichnis der Säure im Odeon im Rahmen der Wiener Festwochen Premiere. Sieben Darsteller:innen stellen sich darin mit einer fast dreistündigen Auseinandersetzung mit Fett – insbesondere mit Butter – gegen konventionelle Körpernormen. Die Regisseurin Rébecca Chaillon, die sich selbst als fett bezeichnet, führt das Publikum durch eine mutige Erkundung von Körperlichkeit und Glauben.
Inspiriert ist die Produktion von Octavia Butlers Roman Parabel vom Sämann und lotet das Konzept der „Magie des Glaubens“ aus. Die Performenden, gekleidet in goldene Unterwäsche und buttergelbe Roben, inszenieren eindrucksvolle Szenen: Sie spielen Ausschnitte aus The Biggest Loser nach, bedecken sich gegenseitig mit Gelee und wälzen sich auf dem Boden.
An einer Stelle verteilt Julie Teuf Butter an das Publikum, lädt zum Kosten ein und verlost Preise. Die Gruppe klettert über Butterberge, stellt auf der Bühne selbst Butter her und entschuldigt sich immer wieder für ihre Körper, die sie als aufrührerisch beschreiben. Gleichzeitig gestehen sie ungewöhnliche Essgewohnheiten, darunter Essanfälle.
Die Darsteller:innen teilen persönliche Geschichten – über ihre Wurzeln in den Pariser Banlieues, körperliche Gewalt und das Leiden am eigenen Körper. Den Abschluss bildet eine Abfolge von Bodybuilder-Posen, mit der sie ihren Widerstand gegen gesellschaftliche Erwartungen unterstreichen.
Die Produktion wirft einen detaillierten und schonungslosen Blick auf Themen wie Fettsein, körperliche Selbstbestimmung und Selbstakzeptanz. Mit ihren lebendigen, teils provokanten Bildern hinterlässt sie beim Publikum ein greifbares Gefühl für die Erfahrungen der Performenden und ihre gemeinsame Erforschung von Glauben.






