Erlangen verbietet "sexistische" Partyhits beim Bergkirchweih – Wirte und Künstler protestieren
Dietlind Grein GrothErlangen verbietet "sexistische" Partyhits beim Bergkirchweih – Wirte und Künstler protestieren
Erlangens Stadtverwaltung stufte Party-Klassiker als „sexistisch“ ein – und rät Wirten, sie beim Bergkirchweih nicht zu spielen
Die Verwaltung der Stadt Erlangen hat mehrere bekannte Partyhits als „sexistisch“ eingestuft und Gastwirte aufgefordert, auf die Titel beim diesjährigen Bergkirchweih, dem traditionellen Volksfest, zu verzichten. Den Anstoß gab eine Beschwerde einer Besucherin, die sich im vergangenen Jahr durch bestimmte Songtexte unwohl gefühlt hatte. Bereits jetzt gibt es scharfe Kritik von bekannten Künstlern und Wirten.
Betroffen sind unter anderem Lieder von Mickie Krause und Peter Wackel, deren Songs zu den Dauerbrennern auf deutschen Bierfesten zählen. Auf der schwarzen Liste steht etwa Wackels Joana, in dem die Zeile Du geile Sau vorkommt – eine Formulierung, die nun als problematisch gilt. Selbst der satirische Kultsong Skandal im Sperrbezirk wurde beanstandet, obwohl er seit langem zu den Festlieblingen gehört.
Eine rechtliche Verbotsmöglichkeit hat die Stadt zwar nicht, setzt aber auf die Kooperationsbereitschaft der Wirte, von denen viele auf kommunale Unterstützung angewiesen sind. Der aktuelle Schritt folgt einem Beschluss des Stadtrats aus dem Jahr 2021, der mit breiter Mehrheit Songs mit „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ beim Bergkirchweih verurteilte.
Die Reaktionen fallen deutlich aus. Jürgen Thurnau, Frontmann der Spider Murphy Gang, verglich die Situation mit der DDR und merkte an, dass selbst das SED-Regime seiner Band niemals Lyrik-Änderungen abverlangt habe. Peter Wackel zeigte sich frustriert und erklärte, immer mehr Künstler hätten „null Bock“, in Deutschland aufzutreten – angesichts zunehmender Einschränkungen. Gastwirte hingegen zeigen sich skeptisch und hinterfragen, welche praktischen Auswirkungen die Liste überhaupt haben werde.
Die Debatte um die schwarze Liste spiegelt die anhaltenden Spannungen zwischen Tradition und sich wandelnden gesellschaftlichen Normen bei öffentlichen Veranstaltungen wider. Die Wirte stehen nun vor der Wahl, sich an die Empfehlungen der Stadt zu halten oder mögliche Konsequenzen in Kauf zu nehmen. Wie Besucher und Künstler auf die neuen Vorgaben reagieren, könnte die Stimmung beim diesjährigen Bergkirchweih prägen.






