Freiburger Anwohner wehren sich gegen Abriss ihrer Häuser für Klimaschutz und Heimatgefühl
Angelo BriemerFreiburger Anwohner wehren sich gegen Abriss ihrer Häuser für Klimaschutz und Heimatgefühl
Anwohner im Freiburger Stadtteil Waldsee kämpfen um den Erhalt ihrer Häuser
Maria Vollmer und Urs Egger, die seit 27 Jahren in ihrer Wohnung leben, stehen an der Spitze der Proteste gegen Pläne, drei Wohngebäude aus dem Jahr 1953 abzureißen. Kritiker argumentieren, dass der Abriss die Klimaziele untergraben würde, da dabei Hunderte Tonnen zusätzliches CO₂ freigesetzt würden – deutlich mehr als bei einer Sanierung.
Die drei Mehrfamilienhäuser in der August-Ganther-Straße wurden ursprünglich für französische Offiziere errichtet. Heute werden sie vom Bundesamt für Immobilienaufgaben (BImA) verwaltet, das bundesweit über 38.000 Wohnungen betreut. Die Behörde, die dem Bundesfinanzministerium untersteht, hat den Auftrag, bezahlbaren Wohnraum – insbesondere für Beamte – bereitzustellen.
Geplant ist der Abriss der bestehenden Gebäude und der Neubau von drei Häusern. Doch Berechnungen des Experten Wilhelm Stahl zufolge würde dies etwa 700 Tonnen mehr CO₂ verursachen als eine Sanierung und Erweiterung der aktuellen Bausubstanz. Das BImA hat bisher keine eigene CO₂-Bilanz erstellt, was Stahl als "verantwortungslos" kritisiert.
Maria Vollmer und ihre Nachbarn sehen im Abriss einen Widerspruch zu den Klimaschutzzielen. Ihre drei Kinder sind in der Wohnung aufgewachsen, und noch heute besuchen sie regelmäßig ihre Enkelkinder. Der Projektentwickler Willi Sutter, auch "Altbausanierer" genannt, hält eine Sanierung für machbar – trotz der Behauptung des BImA, dass die Garagenerneuerung rechtlich nicht umsetzbar sei. Die Freiburger Stadtverwaltung bestätigt jedoch, dass das Vorhaben alle Genehmigungsauflagen erfüllt.
Der Konflikt spiegelt eine grundsätzliche Debatte über die Baupraxis in Deutschland wider. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und Architects For Future fordern ein "Abrissmoratorium" und verweisen auf 3,3 Millionen Tonnen CO₂, die jährlich durch Abrisse und Neubauten entstehen. Leon Beck, Vorsitzender von Architects For Future, plädiert dafür, Sanierungen Vorrang vor Neubauten zu geben. Bundeskanzler Friedrich Merz' Forderung nach mehr Wohnungsbau hat bisher jedoch kaum zu einer spürbaren Entlastung auf dem Wohnungsmarkt geführt.
Der Freiburger Fall zeigt das Spannungsfeld zwischen bezahlbarem Wohnraum und Klimazielen. Da Abrisse und Neubauten für ein Drittel der vermeidbaren CO₂-Emissionen verantwortlich sind, drängen Aktivisten und Fachleute auf strengere Sanierungsvorgaben. Das Ergebnis dieses Protests könnte wegweisend für ähnliche Projekte in ganz Deutschland sein.






