Freiburgs radikale Wende: Denkmal kehrt zurück, Autos müssen weichen
Sylke SchmiedtFreiburgs radikale Wende: Denkmal kehrt zurück, Autos müssen weichen
Freiburg kehrt Jahrzehnte der autozentrierten Stadtplanung um, indem es ein historisches Denkmal an seinen ursprünglichen Standort zurückversetzt. Das Siegesdenkmal, das in den 1950er- und 1960er-Jahren wegen des wachsenden Autoverkehrs umgesetzt worden war, wird künftig am Ende einer Fußgängerzone stehen. Dieser Schritt spiegelt einen grundlegenden Wandel wider, wie die Stadt Geschichte, Mobilität und öffentlichen Raum in Einklang bringt.
In den 1950er- und 1960er-Jahren hatte Freiburg das Siegesdenkmal verlagert, um Platz für Autos zu schaffen. Später trennte eine vierspurige Straße die Universitätsbibliothek vom Fußgängerverkehr ab – ohne einen einzigen Zebrastreifen. Die damaligen Prioritäten der Stadt standen für einen bundesweiten Trend: Die autogerechte Planung zerstörte mehr historische Gebäude als die Bombenangriffe im Krieg.
Doch bereits 1992 schlug Freiburg einen anderen Kurs ein und verbannte Autos aus der Innenstadt. Aus der einstigen vierspurigen Barriere zwischen Bibliothek und Universität wurde schließlich eine Fußgängerzone. Die Entscheidung, das Denkmal zurückzuversetzen, ist das Ergebnis jahrelanger öffentlicher Debatten. Ein lokaler Kommentator merkte an, in Frankreich hätte man über die Bedeutung des Denkmals wohl nicht so leidenschaftlich gestritten.
Die endgültige Entscheidung fällt im Rahmen eines demokratischen Prozesses – ein Zeichen für einen wachsenden Trend in Deutschland. In den vergangenen Jahrzehnten hat die Energiewende, der Umstieg auf erneuerbare Energien, Politiker sensibler für die öffentliche Meinung gemacht. Der Fall zeigt, wie Städte heute Räume neu denken, die einst vom Autoverkehr dominiert wurden.
Der Begriff "Jaywalking" entstand übrigens in den 1920er-Jahren in den USA, als die Autoindustrie Fußgänger als Problem darstellte – und nicht die rasenden Fahrzeuge. Freiburgs jüngster Schritt steht für eine Abkehr von dieser Denkweise: Hier haben nun Menschen und Geschichte Vorrang vor dem Verkehrsfluss.
Die Rückkehr des Siegesdenkmals markiert einen greifbaren Wandel im Freiburger Stadtbild. Die Stadt hat bereits eine wichtige Straße in eine Fußgängerzone umgewandelt und die Innenstadt autofrei gestaltet. Künftige Entscheidungen werden weiterhin die Bürgerbeteiligung widerspiegeln und prägen, wie die Einwohner ihren Lebensraum erleben.






