23 May 2026, 16:18

Gleichstellungsbeauftragte kämpfen gegen Hass, Sabotage und politische Gleichgültigkeit

"Ich bin ein einsamer Krieger"

Gleichstellungsbeauftragte kämpfen gegen Hass, Sabotage und politische Gleichgültigkeit

Gleichstellungsbeauftragte in Deutschland sehen sich einer wachsenden Welle von Feindseligkeit und Sabotage ausgesetzt. Aktuelle Berichte zeigen, dass Vandalismus, Budgetkürzungen und offene Aggression zu alltäglichen Herausforderungen für diese Fachkräfte geworden sind. Hinter den Angriffen steht eine koordinierte antifeministische Bewegung, die sich gegen sexuelle Selbstbestimmung und Vielfalt richtet.

Eine neue Umfrage offenbart das Ausmaß des Problems: 63 Prozent der Gleichstellungsbeauftragten waren bereits antifeministischen Angriffen auf ihre Arbeit ausgesetzt. Fast die Hälfte der Betroffenen verzeichnete allein in den letzten zwei Jahren mehrere Vorfälle. In extremen Fällen erhielten 5 Prozent direkte Drohungen – darunter sogar Todesdrohungen.

Auch öffentliche Symbole der Gleichstellung geraten ins Visier. Orangefarbene Bänke, die im Rahmen der UN-Kampagne Orange the World gegen geschlechtsspezifische Gewalt aufgestellt wurden, wurden wiederholt beschädigt. In Osnabrück wurde eine mit Graffiti beschmiert, in Wiesbaden verschwand eine Bank komplett. In Annweiler wurde der Kampagnenslogan verfälscht, um Gewalt gegen Frauen zu propagieren.

Trotz der zunehmenden Bedrohungen bleibt die politische Unterstützung schwach. Viele Gleichstellungsbeauftragte kämpfen mit gekürzten Mitteln und abgesagten Auftritten von Amtsträgern. Wer Rückhalt aus der eigenen Verwaltung erfährt, kommt besser zurecht – doch solche Unterstützung ist oft Mangelware.

Als Reaktion organisieren sich die Gleichstellungsbeauftragten: Sie bilden Netzwerke, tauschen Strategien aus und schmieden Allianzen, um den Angriffen standzuhalten. Gleichzeitig verzeichnete die Meldestelle Antifeminismus im Jahr 2024 bereits 558 Vorfälle – im Schnitt zehn pro Woche.

Die Angriffe auf Gleichstellungsbeauftragte zeigen keine Anzeichen einer Beruhigung. Ohne stärkeren politischen Rückenwind droht ihre Arbeit zunehmend ausgehöhlt zu werden. Vorerst bieten ihre wachsenden Netzwerke zumindest einen gewissen Schutz gegen die eskalierende Feindseligkeit.

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