Hammerbande-Anführerin Lina E. überraschend vorzeitig aus Haft entlassen
Sylke SchmiedtHammerbande-Anführerin Lina E. überraschend vorzeitig aus Haft entlassen
Lina E., die verurteilte Anführerin der militanten linksextremen Gruppe Hammerbande, ist vorzeitig aus der Haft entlassen worden, nachdem der Bundesgerichtshof (BGH) diese Entscheidung bestätigt hat. Die Freilassung erfolgte trotz der Einwände der Staatsanwaltschaft, die auf eine vollständige Verbüßung der fünfjährigen und dreimonatigen Strafe bestanden hatte.
Ihr Fall hat eine kontroverse Debatte ausgelöst: Kritiker werfen dem Justizsystem vor, politisch motivierte Gewalt je nach ideologischer Ausrichtung unterschiedlich zu bewerten.
2022 war Lina E. wegen Gründung und Führung einer kriminellen Vereinigung sowie wegen mehrfacher gefährlicher Körperverletzung, Urkundenfälschung, Diebstahls und Nötigung schuldig gesprochen worden. Das Oberlandesgericht Dresden verurteilte sie zu fünf Jahren und drei Monaten Haft – deutlich weniger als die von der Staatsanwaltschaft geforderten acht Jahre. Der Prozess fand unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt, da mit Ausschreitungen und politischen Auseinandersetzungen gerechnet wurde.
Zwischen 2018 und 2020 verübte die Hammerbande in Sachsen und Thüringen Überfälle auf Personen, die sie als rechtsextrem oder neonazistisch einstuften. Die Gruppe setzte dabei Waffen wie Hämmer, Metallstangen und Pfefferspray ein und fügte ihren Opfern schwere Verletzungen zu.
In linken Kreisen wird Lina E. als Symbol des antifaschistischen Widerstands gefeiert; ihre Verurteilung gilt vielen Unterstützern als politisch motivierter Angriff. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen ihre vorzeitige Entlassung Berufung eingelegt und argumentiert, sie habe nicht genug ihrer Strafe verbüßt. Der 3. Strafsenat des BGH wies diesen Einspruch jedoch zurück und bestätigte ihre Freilassung, nachdem sie etwa zwei Drittel ihrer Haftzeit – inklusive Untersuchungshaft – absolviert hatte.
Lina E. ist nun auf freiem Fuß, nachdem sie den Großteil ihrer Strafe verbüßt hat. Die Entscheidung über ihre vorzeitige Entlassung bleibt umstritten. Einige sehen darin eine inkonsistente Behandlung von linker und rechter politischer Gewalt in Deutschland. Der Fall vertieft die Spaltung darüber, wie das Justizsystem mit ideologisch motivierter Kriminalität umgeht.






