Joe Lycett wird zu Hugo Boss – ein Protest gegen Markenrechts-Wahnsinn
Hiltraud HamannJoe Lycett wird zu Hugo Boss – ein Protest gegen Markenrechts-Wahnsinn
Der Komiker Joe Lycett hat aus Protest gegen die aggressive Durchsetzung der Markenrechte des Modeunternehmens seinen Namen offiziell in Hugo Boss ändern lassen. Die Luxusmarke, bekannt für ihre hochpreisige Kleidung, hat wiederholt Abmahnungen an kleine Unternehmen und gemeinnützige Organisationen verschickt, die in ihren Namen das Wort "BOSS" verwenden.
Der Konflikt eskaliert nach Jahren juristischer Auseinandersetzungen, in denen Hugo Boss gegen kleinere Organisationen vorgegangen ist. 2018 erhielt die Wohltätigkeitsorganisation DarkGirlBoss einen Anwaltsbrief, als sie versuchte, ihren Namen schützen zu lassen. Auch die Brauerei Boss Brewing aus Swansea sah sich mit einer 10.000-Pfund-Klage konfrontiert, nachdem das Unternehmen sie ins Visier genommen hatte.
Hugo Boss, 1924 gegründet, blickt auf eine umstrittene Geschichte zurück: Der Gründer war Mitglied der NSDAP, und das Unternehmen fertigte während des Zweiten Weltkriegs SS-Uniformen – unter Einsatz von Zwangsarbeit. 2011 entschuldigte sich die Marke öffentlich für das "Leid und die Entbehrungen", die durch ihre Kriegsproduktion verursacht wurden.
Heute betreibt Hugo Boss weltweit 439 Filialen und beschäftigt über 14.000 Mitarbeiter in 127 Ländern. Allein 2018 verzeichnete das Unternehmen einen Umsatz von mehr als 2,3 Milliarden Pfund.
Lycett, bekannt durch seine Verbraucherrechte-Sendung "Got Your Back", wird nun unter dem Namen Hugo Boss ein neues Produkt auf den Markt bringen – eine direkte Provokation gegen die juristischen Methoden des Modekonzerns gegenüber kleineren Betrieben.
Die Namensänderung des Komikers lenkt die Aufmerksamkeit auf die anhaltenden Spannungen zwischen Großkonzernen und unabhängigen Unternehmen in Markenrechtsstreitigkeiten. Während Hugo Boss weiterhin seine geistigen Eigentumsrechte durchsetzt, kritisieren Beobachter, dass die Maßnahmen kleinere Organisationen unverhältnismäßig hart treffen. Lycetts Protest hat die Debatte neu entfacht.






