27 March 2026, 04:17

Kratzers provokante Paradies-Premiere spaltet Hamburgs Opernpublikum

Schwarz-weißes Kupferstichbild namens "Aaron Staying the Plague", das verängstigte Menschen in einem Feld unter einer untergehenden Sonne zeigt.

Kratzers provokante Paradies-Premiere spaltet Hamburgs Opernpublikum

Die Hamburgische Staatsoper startet mit einer mutigen Neuinszenierung von Robert Schumanns Das Paradies und die Peri in die Spielzeit 2025/26. Die Premiere markierte Tobias Kratzers erste Produktion als neuer Intendant des Hauses – eine Mischung aus traditionellem Oratorium und modernem Theaterwagnis. Das Publikum reagierte mit begeistertem Applaus, aber auch mit Buhrufen, was die provokante Herangehensweise der Inszenierung widerspiegelt.

Der Abend begann unter der Leitung von Omer Meir Wellber, dem neu berufenen Generalmusikdirektor. Sein temperamentvolles Dirigat verlieh dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg Schwung und setzte einen dynamischen Ton für die Aufführung. Das Oratorium, inspiriert von einer orientalischen Erzählung aus Thomas Moores Lalla Rookh, begleitet Peri, ein engelhaftes Wesen, auf ihrer Suche nach einem Geschenk, das des Paradieses würdig ist. Auf ihrem Weg begegnet sie Krieg, Pest und der Last des generationenübergreifenden Gedächtnisses.

Regisseur Tobias Kratzer und Bühnenbildner Rainer Sellmaier deuteten das Werk des 19. Jahrhunderts für die heutige Zeit neu. Ihre Inszenierung brach die vierte Wand, zog das Publikum direkt ins Geschehen hinein und sprach es sogar unmittelbar an. Der Chor übernahm dabei nicht nur musikalisch, sondern auch dramaturgisch eine zentrale Rolle. Zwar deutete die Produktion zeitgenössische Themen an, doch konkrete Bezüge – etwa zu Klimawandel oder sozialer Ungerechtigkeit – blieben bewusst offen.

Die Sänger überzeugten mit starken Leistungen, insbesondere die Solisten Eliza Boom, Kai Kluge und Christoph Pohl ernteten Lob. Zwar überlagerte die Wucht des Orchesters die Stimmen gelegentlich, doch der Gesamtauftritt blieb packend. Die Premierenreihe der Spielzeit verspricht weitere Innovationen, darunter neue Musiktheaterabende wie Monster's Paradise und Frauenliebe und -sterben – allesamt kuratiert, um Hamburgs vielfältiges Publikum anzusprechen.

Kratzers Debütproduktion weist der Staatsoper eine neue Richtung – hin zu einer tieferen Verbindung mit dem kulturellen Leben der Stadt. Die gespaltenen Reaktionen des Publikums unterstreichen die Risiken und Chancen, die mit der Neuinterpretation klassischer Werke für die Gegenwart einhergehen. Mit Wellbers musikalischer Führung und Kratzers visionärer Regie scheint die kommende Spielzeit darauf ausgelegt, zu provozieren und zu begeistern.

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