Kretschmanns Klimabilanz: Baden-Württemberg zwischen Erfolg und Kritik des Klimarats
Dietlind Grein GrothKretschmann kontert: "Kann nicht alles zur Chefsache machen" - Kretschmanns Klimabilanz: Baden-Württemberg zwischen Erfolg und Kritik des Klimarats
Unter Winfried Kretschmanns Führung hat Baden-Württemberg in der Klimapolitik deutliche Fortschritte gemacht. Zwischen 2021 und 2026 übertraf das Land den bundesweiten Durchschnitt bei der Nutzung erneuerbarer Energien und näherte sich seinen Emissionszielen für 2030 an. Doch jüngste Kritik des Klimarats deutet darauf hin, dass nicht alle Vorhaben wie geplant umgesetzt werden.
In der von Kretschmann geführten Koalitionsregierung (2016–2024) trieb Baden-Württemberg ehrgeizige Klimamaßnahmen voran. Bis 2023 stammten bereits 52 Prozent des Strommix aus erneuerbaren Quellen – leicht über dem deutschen Durchschnitt von 52,1 Prozent. Das Klimaschutzgesetz von 2021 setzte das Ziel der Klimaneutralität bis 2040 fest, gestützt durch massive Förderungen für Wind- und Solarprojekte sowie den Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge. Trotz dieser Anstrengungen zogen sich Verzögerungen beim geplanten Kohleausstieg bis 2027 Kritik zu, insbesondere im Vergleich zu schnelleren Umstellungen in Ländern wie Brandenburg oder Hamburg.
Der Klimarat bewertete die Fortschritte des Landes jüngst als unzureichend und warnte vor Stockungen in zentralen Bereichen. Kretschmann wies die Kritik zurück und erklärte: "Ich regiere allein und schicke die Minister nach Hause. Man kann nicht alles zur Chefsache machen." Gleichzeitig verteidigte er seine Bilanz und betonte, dass drei von fünf zentralen Sektoren auf Kurs oder sogar vor den Zielvorgaben lägen.
Dennoch bleiben Herausforderungen – vor allem im Verkehrssektor. Kretschmann räumte ein, dass die Emissionsreduktion hier weiterhin stark von der Verbreitung der Elektromobilität abhänge.
Baden-Württemberg hat viele Bundesländer beim Ausbau erneuerbarer Energien und der Senkung der Emissionen überflügelt. Doch mit den Vorbehalten des Klimarats wächst der Druck auf die Landesregierung, die verbleibenden Lücken zu schließen. Die nächsten Schritte werden entscheiden, ob das Land seine Klimaziele für 2030 vollständig erreichen kann.