Mainzer Dreigroschenoper glänzt mit Satire, Musik und einer Hommage an vergessene Pionierinnen
Dietlind Grein GrothMainzer Dreigroschenoper glänzt mit Satire, Musik und einer Hommage an vergessene Pionierinnen
Das Staatstheater Mainz präsentiert eine mutige Neuinszenierung der Dreigroschenoper, die beißende Satire mit spielerischer Selbstironie verbindet. Jan Neumanns Interpretation verwebt Brechts politische Schärfe mit einem frechen Augenzwinkern auf die kommerziellen Realitäten des Theaters selbst. Bei der Premiere ernteten Ensemble, Orchester und Kreative lang anhaltenden Applaus für eine Aufführung, die Witz, Musik und Gesellschaftskritik meisterhaft balanciert.
Die Handlung folgt Mackie Messer (Henner Momann), einem schlauen Ganoven, der Polly Peachum (Maren Schwier) heiratet – sehr zum Zorn ihres Vaters, Jonathan Peachum (Holger Kraft). Ihr Konflikt entfaltet sich im düsteren Londoner Milieu, untermalt von ikonischen Liedern wie Die Moritat von Mackie Messer – hier mit beeindruckender Vielseitigkeit vorgetragen von Anika Baumann, die zudem eine Bettlerin und einen satirisch überzeichneten Brecht selbst verkörpert. Ihr Sopran in der Ballade wurde zum Höhepunkt der Vorstellung, während ihr komisches Timing der respektlosen Grundstimmung der Inszenierung zusätzliche Tiefe verlieh.
Hinter den Kulissen ist die Entstehungsgeschichte des Stücks ebenso dramatisch wie seine Handlung. Elisabeth Hauptmann, oft übersehen, spielte eine zentrale Rolle bei der Formung der Dreigroschenoper: Sie entdeckte The Beggar's Opera, übersetzte sie und bearbeitete das Drehbuch gemeinsam mit Brecht und Weill. Obwohl sie bei der Uraufführung 1928 als "Bearbeiterin" geführt wurde – sogar noch vor Brecht –, wurden ihre Beiträge später heruntergespielt, was bis heute Debatten über die Urheberschaft entfacht. Frühere Programme und Ausgaben, wie die Reclam-Fassung von 1929, nannten wechselnd Weill oder Brecht als Hauptverantwortliche, während moderne Produktionen sie häufig nur vage mit einem "in Zusammenarbeit mit" erwähnen.
Neumanns Inszenierung stellt sich diesen Widersprüchen. Zur Eröffnung am 27. September wurde die Fassade des Theaters mit Brechts Texten als Teil der Mainzer Lichter illuminiert – ein Vorspiel zu einer Vorstellung, die sich nicht scheut, die eigene Branche auf die Schippe zu nehmen. Das Ergebnis ist ein temporeiches, selbstironisches Spektakel, das dennoch die politische Wucht des Originals bewahrt.
Vier weitere Vorstellungen sind für 2025 geplant: am 2. und 12. Oktober sowie am 2. und 9. November. Die Tickets kosten zwischen 17,50 und 45,50 Euro, inklusive eines Getränkeguthabens.
Diese Wiederbelebung der Dreigroschenoper unterstreicht sowohl ihr bleibendes Erbe als auch die ungeklärten Fragen um ihre Entstehung. Die Mischung aus Humor und Historie kommt beim Publikum an, während die Hommage an Hauptmanns Rolle die traditionelle Erzählung des Stücks leise herausfordert. Mit Liedern, die die globale Musik prägten, und einer Geschichte, die noch heute provoziert, bleibt das Werk ein Eckpfeiler des Theaters des 20. Jahrhunderts.






