10 June 2026, 16:15

Nadav Lapid verlässt FID Marseille nach Boykott-Debatte um israelische Künstler

Natalie Portman, Justine Triet und Jacques Audiard verteidigen den israelischen Regisseur Nadav Lapid: 'Der kulturelle Boykott ist ein intellektuelles Versagen'

Nadav Lapid verlässt FID Marseille nach Boykott-Debatte um israelische Künstler

Ein Streit ist auf dem internationalen Filmfestival FID Marseille um die Teilnahme des israelischen Regisseurs Nadav Lapid entbrannt. Mehrere Filmemacher zogen ihre Werke aus Protest zurück, woraufhin Lapid sich vollständig aus dem Festival zurückzog. Der Konflikt dreht sich um Forderungen, seine Beteiligung aufgrund seiner Staatsangehörigkeit und der Finanzierung seines neuesten Films zu boykottieren.

Ursprünglich war Lapid als Jurymitglied zum Festival eingeladen worden. Doch unter Druck einiger Filmemacher gab es Forderungen nach seinem Ausschluss. Daraufhin zogen etwa zehn Regisseure ihre eigenen Filme zurück, was Lapid schließlich veranlasste, sich von der Veranstaltung zurückzuziehen.

Über 350 Branchenvertreter, darunter Natalie Portman, Justine Triet und Jacques Audiard, unterzeichneten einen offenen Brief zu seiner Verteidigung. Sie argumentierten, dass Filmemacher aus Russland, Israel und dem Iran nicht ausgegrenzt werden dürften, nur weil sie ihre Regierungen kritisierten. Portman und andere betonten, dass Boykotte das Risiko bergen, künstlerische Stimmen zum Schweigen zu bringen.

Ein zweiter offener Brief, unterstützt von Alice Diop und Arthur Harari, hinterfragte die Begründung des Boykotts. Darin hieß es, die Einladung eines Künstlers zu einem Festival bedeute nicht automatisch eine Billigung als kultureller Botschafter. Die franco-algerische Regisseurin Narimane Mari, die ihren Film zurückzog, präzisierte, dass sich der Boykott gegen ein politisches System und nicht gegen eine Einzelperson richte.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Lapids Film Yes (2025) erhielt teilweise Förderung vom Israel Film Fund, einer unabhängigen Institution, die sowohl israelische als auch palästinensische Filmprojekte unterstützt. Variety bezeichnete den Film als scharfe Kritik am israelischen Nationalismus. Lapid selbst ist ein entschiedener Gegner der Regierung von Benjamin Netanyahu und lebt seit 2021 in selbstgewähltem Exil in Frankreich. Er äußerte Frustration über den Druck und warnte, solche Boykotte könnten eine abschreckende Wirkung auf Kultureinrichtungen haben.

Das Festival steht nun vor einer gespaltenen Branche, in der es um künstlerische Freiheit und politische Boykotte geht. Lapids Rückzug unterstreicht die Spannung zwischen kulturellem Ausdruck und politischem Protest. Die Debatte darüber, ob Boykotte auch Künstler erfassen sollten, die ihre eigenen Regierungen kritisieren, dauert an.

Quelle